Amt für Freizeit und Kultur bekam Kritik ab


Sozialpädagogin Miriam Flock hat gekündigt- Marktgemeinderäte wollen das Programm des Freizeitamts prüfen und gegebenenfalls kürzen

Vor Jahren, so erinnert sich mancher, gab es den Förderverein für offene Jugendarbeit, den Jugendclub in der Mehrzweckhalle, für ein Jahr einen Jugendpfleger, dann kurz eine Jugendpflegerin. Als dann Ende 2014 das MehrGenerationenHaus in die Verantwortung der Kommune überging, mutierte das bisherige kommunale Kinder- und Jugendbüro zum Amt für Freizeit und Kultur, mit einem üppigen Programm für alle Altersgruppen.

Dieses umfassende Angebot geriet zusehends mehr im Gemeinderat in Kritik. Dabei war man damals vom Kurzkonzept sehr angetan, das Sozialpädagogin Miriam Flock Oktober 2014 im Rathaus zu den vier Bereichen Kinder/Jugendliche, Senioren, Kultur, Familie allgemein vorgestellt hatte. Flock sollte unbefristet weiter beschäftigt werden. Bisher hatte sie ihre Kollegin Gudrun Reiß vertreten, die im Januar 2015 aus der Elternzeit zurückgekehrt war. Da aber beide Sozialpädagoginnen je nur 30 Stunden pro Woche arbeiten wollten, sollten später die restlichen 18 Stunden ergänzend ausgeschrieben werden. Was bisher nicht geschah.

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Miriam Flock und Bürgermeister Süß bei der Jugendkonferenz 2014 im Rathaussaal

 

In der März-Sitzung beschäftigten sich nun die Räte mit der Antwort des Amts auf den jüngst von der Opposition eingereichten 12-teiligen Fragenkatalog zur Arbeit im Freizeitamt. Das Ergebnis: Etwa ein Drittel der Angebote wurde gar nicht nachgefragt – zählt man vorher bereits abgesagte Veranstaltungen und jene mit null Besuchern zusammen. Diese Statistik gab es sogar als Tischvorlage, genauso wie schriftliche Antworten zu allen anderen Fragen. Dennoch. Es fiel dem Plenum schwer, das umfangreiche Programm des Amts in Bezug auf Attraktivität wie auch Sinnhaftigkeit zu bewerten.

„Man muss als Freizeitbüro nicht die ganze Welt erkunden“, war zum Beispiel von Karl-Heinz Hertlein (CSU) zu hören. Auch Günther Vogel BWG)  hatte kein Verständnis, dass acht Personen im kommunalen Kleinbus den Zoo in Leipzig anstatt den in Nürnberg besucht hatten. Denn das Problem bei solchen Angeboten ist vor allem, dass mit der langen Fahrtzeit und Betreuung schnell viele Überstunden entstehen. Schwierig ist es zudem auch bei einer Arbeitszeit von nur 30 Stunden pro Woche, wenn lediglich ein einzig Interessierter zum Filmnachmittag oder Abend erscheint. Dies belastet Kasse und Zeitbudget. Man solle auf die Wirtschaftlichkeit achten, mahnte Ludwig Paulus (SPD).

Christiane Kolbet (Grüne) forderte zudem mehr sozialpädagogischen Ansatz anstatt nur „Konsum, Spiel und Spaß  bei erschreckend vielen Veranstaltungen“. Sie fragte, wann  man den Kurs ändere und vermutete, dass bisher „viel Geld versenkt wurde“.  Ihr Kollege Norbert Maier, Mitglied im Seniorenbeirat, vermisste den direkten Kontakt zum Beirat, den das Jugendamt bisher nie gesucht habe. Zudem plädierte auch er dafür, dass man mehr in der Region bleibt. Und stattdessen mit den örtlichen Vereinen  zusammenarbeitet. Kein Verständnis hatte er dafür, dass gut bezahlte Fachkräfte einen Film vorführen. Sie müssten qualitativ weit anspruchsvollere Arbeit leisten, so seine Meinung. Und das Vorführen an andere abgeben. Auch Friedrich Mümmler (FWW) war sehr kritisch. „Ein Drittel der Veranstaltungen geht am Ziel vorbei.“

Auch wenn Erster Bürgermeister Heinrich Süß betonte, dass sich bereits manches geändert habe und darauf verwies, dass es „das erste Jahr“war. Den Räten aus SPD, BWG, FWW und CSU war klar: Man muss das Angebot des Amts künftig besser begleiten, ihm einen Leitfaden geben. Und so griff man den Vorschlag von Karl-Heinz Hertlein auf. Anstatt endlos zu diskutieren solle der Haupt-, Finanz- und Kulturausschuss kurzfristig ein Konzept erarbeiten.

In der nichtöffentlichen Sitzung diskutierte man noch lange weiter. Denn wie auf Nachfrage von Bürgermeister Süß zu erfahren war, hat Miriam Flock zum 31. Mai gekündigt. Sie suche mehr Kinder- und Jugendarbeit und nach dreieinhalb Jahren ein „anderes Umfeld“. Ihr Fortgang macht die Situation noch schwieriger. Schließlich arbeitet Gudrun Reiß an zwei Tagen per Homeoffice, ist also nur an zwei Tagen im Rathaus präsent. Damit vormittags dennoch das Amt erreichbar ist, will die Kommune eine Verwaltungskraft mit einem 20 Stunden-Vertrag einstellen. Sie soll Gudrun Reiß beim „Verwaltungskram“ entlasten, sagt Bürgermeister Süß.

Das bisherige Programm des Amtes läuft noch bis Juni und wird wohl mit kurzfristig eingestellten Honorarkräften überbrückt. Dann sollte das neue Programm des Amts für das nächste Halbjahr geplant und reduziert sein. Wie und wo, darüber soll sich zunächst der Ausschuss Gedanken machen, bevor man sich dann mit dem Amt zusammen setzt.

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