Neues Denken für Menschen mit Hund


Hundeerziehungsberater Engelmann lud zum praktischen Seminar mit einem Spezialisten. Denn der gesellschaftliche Wandel betrifft auch das Verhältnis des Hundehalters zu seinem Tier. Hatten früher Hunde spezifische Aufgaben, werden sie heute oft nach Lust und Laune angeschafft, ohne auf genetische Anlagen zu achten. So können Probleme entstehen. Sie zu erkennen und zu lösen, dafür hatte Christian Engelmann seinen ehemaligen Lehrer Jan Nijboer zum Praxisseminar engagiert.

Tatort: Eine Wiese bei Oberlindach, auf der sich 21 Teilnehmer des Kurses versammelt haben. Zehn haben ihre Hunde dabei und werden sie alle noch vorführen. Jan Nijboer wird dies analysieren und Ratschläge geben. Der weiße Schäferhund, eine spezielle schweizer Züchtung, tollt hinter der rennenden Halterin her, spielt mit ihr, als sie stehen bleibt. Auf dem Rückweg aber hältt er sich dicht vor ihr, nicht verspielt, eher unsicher. Warum? Weil ihm die Menschengruppe, auf die sie zulaufen, bedrohlich vorkommt. Also muss er sein Frauchen verteidigen, so sein Instinkt. Aus seiner Sicht habe sich der Hund richtig verhalten, sagt der Fachmann. Wer sein Verhalten aber ändern müsse, das seien Halter, die die Hunde zu arbeits- und aufgabelosen Schmusetieren machen würden.

Einst hatten sie spezielle Aufgaben: Haus und Hof zu bewachen, auf der Weide die Herde zu hüten oder bei der Jagd vor dem Schuss das Wild zu treiben und nachher zu holen. Dass es dazu verschiedener Rassen durch Zucht mit unterschiedlichen genetischen Anlagen bedurfte, hat man offenbar vergessen oder verdrängt. Dabei sind diese Anlagen weiterhin vorhanden und können jederzeit durchbrechen. Deshalb, so die Botschaft des zweieinhalb-tägigen Seminars: Den Hund nicht nach dem Aussehen auswählen. Sondern nach der Frage „Welchen Hund schaffe ich mir wo an und wie gehe ich mit ihm um?“. Ein „territorial veranlagter“ Hund zum Beispiel wird stets das eigene Revier verteidigen, was bei engem Wohnen in der Stadt zwangsweise zu Problemen führt. Mehrere große Hunde in einem Wohnhaus? Nein. Ursprüngliche Herdenschutzhunde sollten keinesfalls in der Stadt leben müssen.

Vonnöten ist heutzutage vielmehr eine differenzierte Erziehung, die Rücksicht darauf nimmt, wie der Hund – bedingt durch die Rasse – veranlagt ist. Heute, so die Erziehungsphilosophie, sollte der Hund eher ein Familienmitglied sein, das gegenseitige Verstehen zwischen Hund und Halter vorausgesetzt. Wie dies zu erreichen ist, das haben die Kursteilnehmer in verschiedensten Übungssituationen erfahren und entsprechend umgesetzt. Und dazu auch noch ihre Wahrnehmung von ausgesandten Signalen und Körpersprache geschult. Eher wie Eltern gegenüber den Kindern sollten sich die Besitzer gegenüber ihrem Hund verhalten. Und auf Sicherheit achten, wenn er sich bewegt. Zur Philosophie der Hundeerziehungsberater gehört weiter die Forderung, dass die heutige Gesellschaft dem Hund die Wachfunktion abnimmt. Er sollte vielmehr in der Familie „dabei sein“. Auch wenn er den ihm immanenten Jagdinstinkt nicht einfach abstellen könne.
Mit diesem Thema hatte Jan Nijboer am Freitag das Kommunikationsseminar eröffnet und Zusammenhänge zwischen dem Hund als „sozial agierendem Beutegreifer“, seinem Rudel, in dem er jagt und mit dem er lebt, aufgezeigt. Der Hund, so sein Fazit, möchte nicht alleine gelassen werden. Ziel seiner Erziehungsphilosophie sei, dass Mensch und Hund künftig als Team in dieselbe Richtung gehen.

Weitere Info unter      http://www.natural-dogmanship.de

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Das Frauchen läuft voran, der Hund tollt unbekümmert hinterher

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Sie bleibt stehen, er will mit ihr spielen

 

 

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Auf dem Rückweg hält er sich dicht vor ihr, ist unsicher. Der Seminarteilnehmer wegen, auf die sie zu rennen.

 

 

 

 

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