Herbstmarkt in Weisendorf: Aus der Idee einer Neubürgerin ist ein Vierteljahrhundert Tradition geworden


Ein Blick zurück nach 1991: in Weiendorf herrscht reges Markttreiben. Foto: Ansgar Nadrau

Ein Blick zurück nach 1991: in Weisendorf herrscht reges Markttreiben. Foto: Ansgar Nadrau

Seit dem ersten Versuch am 6. Oktober, dem Erntedank-Sonntag 1991, hat der Markttag an Zuspruch gewonnen. Zusehends ist er in der Region für Jung und Alt zu einem Publikumsmagneten geworden. Zu verdanken ist dies einer engagierten Neubürgerin.

Die damalige BWG-Gemeinderätin Herta Burkart war es, die die Idee hatte, im Ort einen oder mehrere Märkte wieder aufleben zu lassen. Im August 1990 stellte sie in der Ratssitzung den erforderlichen Antrag, unterstützt von zwei Fraktionskollegen. Die Zustimmung war einstimmig. Man bildete einen Marktausschuss, der sich um Planung und Gestaltung kümmern sollte. Ziel war, 1991 den ersten Markt abzuhalten. Nicht aber wie in früherer Zeit, um den Kommerz zu fördern. Herta Burkarts Anliegen war vielmehr, rund um den Marktplatz wieder mehr quirliges Leben auferstehen zu lassen. Sich dort zu treffen, zu plaudern, zu genießen und nebenbei Neuheiten zu bestaunen oder Altbewährtes für Haushalt oder Genuss zu ergattern.

Aller Anfang aber ist schwer. Diese Lebensweisheit galt zunächst auch für das Anwerben von Beschickern des Markts. Die Idee, neben den örtlichen Gewerbetreibenden, den Landwirten besonders mit Biobetrieb und vielen Hobbykünstlern auch die Ortsteile und Vereine mit einzubeziehen, stieß auf geringe Resonanz. Denn zur Meldefrist lagen nur wenige Anmeldungen vor. Initiatorin Burkart, die inzwischen so ziemlich auf sich allein gestellt agierte, war enttäuscht. Und sprach dennoch weiter potentielle Teilnehmer an, was letztendlich zum Erfolg geführt hat. Denn am Erntedank-Sonntag 1991 hatten sich immerhin 14 Teilnehmer auf dem Marktplatz und in der Hauptstraße niedergelassen und stellten auf dem ersten Markt nach langer Pause ihr buntes Sortiment vor: Körbe, Puppen, Töpfereien, Haushaltswaren, Naturkost.

Zwei Vereine präsentierten sich und ihre Arbeit. Auch Honig war im Angebot. Von Imker Michael Zeilinger, der über all die Jahre dabei war und erst nach dem letzten Herbstmarkt seinen Rückzug aus gesundheitlichen Gründen angekündigt hatte. Ein treues „Gründungsmitglied“ bleibt weiterhin Klaus Neudecker, der – damals von Ex-Bürgermeister Ossi Trescher animiert – auch heuer wieder mit einem reichen Sortiment selbst hergestellter Liköre, Schnäpse und Dessertweine und einem attraktiven Stand gern angesteuertes Ziel sein wird. Der Herbstmarkt gewann an Bedeutung und zusehends mehr Liebhaber, bald aus der gesamten Region. Beim fünften Markt waren es schon 47 Stände, beim zehnten dann 55. Auf dem Marktplatz und der langen Achse der Hauptstraße pulsierte das Leben. Man kam mit Freunden zusammen, knüpfte neue Kontakte – kaufte oder genoss mal dies, mal das. Und die Zahl der Bewerber steigt weiter. Waren es letztes Jahr 63, sind es heuer 66. Längst hat sich das Marktareal auf den sogenannten Gimberlein-Parkplatz ausgedehnt, ist von der Haupt- in die Kirchenstraße hinein gewachsen. Die Angebotsvielfalt ist groß, lockt Sinne wie Magen. Neben zahlreichen Vereinen werben heuer das Karpfenland Aischgrund, die Kirchen, Kindergärten, Feuerwehr und Polizei um die Aufmerksamkeit des Publikums. Entsprechend umfangreich ist die Planung geworden. Über 20 Jahre war Herta Burkart direkte Ansprechpartnerin und Planerin. Sonja Herbig, Vertreterin der Kommune, kümmerte sich um deren Aufgaben wie etwa Straßensperrung. Gemeinsam hatten sie am frühen Sonntagmorgen von Stand zu Stand gehend Gebühren kassiert und auch gelegentliche Kritik angenommen. Heute laufen Planung und Gebühren über die Gemeinde. Die Suche nach neuen, interessanten Fieranten aber bleibt weiter in Herta Burkarts Hand.

Im 18. Jahrhundert war die Situation im Rittergut Weisendorf anders. Die Gutsherrschaft, Georg Freiherr von Lauter – er ließ das Schloss in seiner heutigen Gestalt aufbauen – förderte den Zuzug, auch von Handwerkern, weil die höhere Abgaben brachten als die bei ihm beschäftigten Tagelöhner. Denn den Freiherrn drückten die Bauschulden. Deshalb sollten die Schneider, Schuster, Hafner, Seiler und Knopfmacher ihre Erzeugnisse auch nicht in den umliegenden Ortschaften verkaufen, sondern vor Ort. Fazit: Weisendorf musste ein florierender Marktort werden. Den ersten Markt 1714 verknüpfte Freiherr von Lauter mit der Kirchweih. Und bekam prompt mit dem Fürstbistum Bamberg und den Herzogenauracher Zünften Ärger, die Bewaffnete nach Weisendorf sandten, Händlern und Handwerkern eine blutige Lehre zu erteilen. Dennoch. Der Markt soll nach Heimatforscher Walter Siegismund bis zum Tod des Freiherrn stattgefunden haben. 1777 stand dann im Nürnberger „Friedens- und Kriegs-Courier“ zu lesen, dass in Weisendorf künftig vier Märkte abgehalten werden, am Sonntag „vor Johanni, nach Bartholomäi, vor Catharina und an Fastnacht“, am jeweiligen Montag folgend dazu ein Viehmarkt. Vier Märkte also, während Konkurrent Herzogenaurach nur zwei und keinerlei Viehmarkt abhalten durfte. Weisendorfs Handel blühte, auch die Abgaben an den Grundherren des freien Ritterguts. Kein Wunder, dass sich Herzogenaurach beim Bamberger Fürstbistum beschwerte. Was dazu führte, dass Bamberg nach dem so erfolgreich durchgeführten Markt beim zweiten dann die Zugangswege von Militär sperren ließ.

Ohne dass es dazu Schriftliches gäbe, dürften nach Meinung von Siegismund auch im 19. Jahrhundert im Ort Märkte abgehalten worden sein. Vor und nach dem ersten Weltkrieg sogar noch die vier jährlichen Märkte. Dies sollen alte Weisendorfer dem Heimatforscher versichert haben. Im 21. Jahrhundert wurden jetzt zwei zu neuem Leben erweckt. Der inzwischen traditionelle Herbstmarkt – und ein relativ junger Weihnachtsmarkt, der recht nah zum Datum des früheren Katrein-Marktes liegt.

Einen Bericht zum Herbstmarkt 2014 können Sie hier lesen.

Herta Burkart und Sonja Herbig, schon beim 20. Markttag geehrt für ihr Engagement.

Herta Burkart und Sonja Herbig, schon beim 20. Markttag geehrt für ihr Engagement.

Imker Michael Zeilinger, Fierant der ersten Stunde, trat zum 25. Jubiläum nicht mehr an.

Imker Michael Zeilinger, Fierant der ersten Stunde, trat zum 25. Jubiläum nicht mehr an.

Seit Beginn dabei: Klaus Neudecker an seinem Stand mit Dessertweinen, Schnäpsen und Likören.

Seit Beginn dabei: Klaus Neudecker an seinem Stand mit Dessertweinen, Schnäpsen und Likören.

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