50 Jahre auf der Bühne: Der Neuenbürger Heinz Götz ist Musiker mit Leib und Seele


Beim Rockabend zum Neuenbürger 850-jährigen Jubiläum trat Heinz Götz solo als  "Messenger" und zusammen mit der Band "The Mystic Eyes" auf.

Beim Rockabend zum Neuenbürger 850-jährigen Jubiläum trat Heinz Götz solo als „Messenger“ und zusammen mit der Band „The Mystic Eyes“ auf.

Als 12-Jähriger hatte er bereits seinen ersten Auftritt. Er spielte in vielen Bands, in der Region und ganz Deutschland, trat in den USA und sogar in Moskau auf. Am wohlsten aber fühlte er sich in Franken. Dennoch ist er vor einem Jahr aus Neuenbürg, einem kleinen Ortsteil der Marktgemeinde Weisendorf, nach Ungarn übergesiedelt. Heinz Götz erzählte jüngst von seinem bewegten Leben als leidenschaftlicher Blues-Rocker.

Zum 850-jährigen Jubiläum von Schloss Neuenbürg und dem gleichnamigen Ortsteil stand Rocker Heinz Götz selbstverständlich auf der Bühne des Neuenbürger Festzelt. Später dann auch eine Weile mit „The Mystic Eyes“, seiner ehemaligen Band aus Regensburg, zu der er 1979 als Lead-Gitarrist gestoßen und sie 1997 wegen Arbeitsüberlastung verlassen hat. Schon mit zwölf Jahren machte er Musik und gehörte zur jüngsten Rockband Deutschlands. „The Rockys“, jene Band aus Röttenbach, die 1965 in Peter Frankenfelds Fernsehshow „Aktion Sorgenkind“ aufgetreten ist, hat dem jungen Heinz damals jedoch den „einzigen Rausschmiss meines Lebens“ bereitet. Denn die Eltern seiner Mitrocker bestanden darauf, dass der „Ausländer“ aus Effeltrich vom Fernsehauftritt ausgeschlossen wurde. Bei der Generalprobe aber war er noch dabei gewesen. Und so erschien im Gong, der  Fernsehzeitschrift, ein Foto mit ihm.

Dieses Erlebnis habe bei ihm, so erzählt er, eine „psychische Krise“ ausgelöst. Denn fast täglich hatten sie geprobt, er war von Effeltrich oft mit dem Fahrrad gekommen oder vom Vater gefahren worden. Nach einem gemeinsamen Jahr und Auftritten in der Region verließ er die Jugendband. Über einige Jahre unterstützten seine Eltern weiter den Gitarren-, Klavier- und Saxophon-Unterricht. Er gab sein Lehrgeld dazu und brachte sich selbst das Spielen von neun zusätzlichen Instrumenten bei. Die Ausbildung zum Kunst/Bauschlosser lief parallel. Jede freie Minute übte Heinz, während die anderen Fußball spielten. Denn er wusste schon damals, „du wirst nicht der Beste“. Aber gute Musik wollte er dennoch machen und aufgrund des Röttenbacher Erlebnisses künftig das Zepter übernehmen. Dies gelang ihm bei der Forchheimer Band „Magic Flute“. Auch mit „Moby Dick“ tourte er durch das fränkische Umland. Da es aber nirgendwo eine dauerhafte Verpflichtung gab, versuchte er mit der Band „Smile“ in die Tanzszene zu „rutschen“. Und stellte bald fest, dass Tanzmusik nicht seine Musik war.

Heinz Götz in jungen Jahren.

Heinz Götz in jungen Jahren.

Also gründet er mit inzwischen eigenen Songs die eigene Band „Orbis“. 1979 erscheint seine erste Langspielplatte. Bereits vorher waren Singles auf dem Markt, eine sogar in USA. Von dort kommt Anfang der 80er das Angebot, ihn als Studiomusiker anzustellen. Er lehnt ab. Grund: das allseits bekannte Drogenproblem in der Szene. Viele Freunde seien daran gestorben. Und so galt schon damals sein Prinzip, dass jeder rausfliegt, der zu viel Alkohol und Stoff konsumiert. Auch als später in Los Angeles eine drei-köpfige Studioband erfahrene Livemusiker zum Einspielen einer LP sucht und Heinz zudem mit der Vorgruppe „Einstein“ auf Welttournée mit „Rainbow“ hätte gehen können, lehnt er ab. „Diese Leute sind dauernd unter Stress, nehmen Drogen“. Und so verzichtet er auf die Weltkarriere und kehrt mit Familie zurück nach Franken.

Dort aber hat er es nicht leicht, was die Bevölkerung an seinem beständigen Wohnort Effeltrich betrifft. Ein Zuhälter sei der Langhaarige und drogensüchtig.  Negermusik spiele er, sei dazu ein fauler Hund. Man lehnt ihn ab. Und schickt ihm die Polizei, das Finanzamt und die Drogenfahndung ins Haus. Als er vor fünf Jahren dann mit seiner zweiten Frau Christine nach Neuenbürg zog, waren die Neuenbürger zunächst zwar auch etwas vorsichtig „wegen dem Langhaarigen“. Aber schnell sind „beste Beziehungen“ zu allen Mitbürgern entstanden. Zum Nachbarn Christoph freundschaftliche, wie sie Heinz bisher nicht erlebt habe.

Zurück zur Karriere. Die eigene Musik hat inzwischen einiges Geld gebracht. Heinz wagt sich an Cover-Versionen nach eigener Art. Und erzielt damit die besten Erfolge. 1991 lädt die russische Botschaft, damals in Bonn, die Orbis-Family-Band nach Moskau zum Auftritt ein. Heinz, Frau Inge, von Beginn an seine Musik begleitend und Sohn Stefan als Schlagzeuger machen sich im eigenen Tournée-Bus auf die Transit-Strecke. Und erleben Kurioses. In Polen werden sie von Wartenden beim Passieren von Bushaltestellen beschimpft. Bis sie merken, dass er Bandname Orbis auch auf öffentlichen Bussen prangt. Auf der Strecke haben sie eine Panne. Und erfahren, was Schallplatten, Zigaretten bei Offiziellen bewirken. Von nun an haben sie stets freie Fahrt. Bis nach Moskau, dem sie den westlichen Rock’n’Roll bringen. Eine Botschaft, die namengebend wird. Fortan nennen sie sich „Messenger Family Band“. Unter dem Namen treten sie auch bei Treffen von Motorradclubs auf. Fühlen bald, dass sie überwacht werden. Vom Landeskriminalamt, wie sich zeigt, denn in dieser Szene nimmt man auch Drogen. Ihm ist nichts vorzuwerfen, Heinz zieht sich dennoch von dort zurück.

2001 schwächelt auch die Gesundheit. Die Stimmbänder des starken Rauchers sind es. Er wird operiert, findet mit Disziplin zu alter Stärke zurück. Macht erfolgreich weiter. Und beschließt mit den Jahren, kürzer zu treten. Dazu ist seine Mutter zum Pflegefall geworden. Er will sie zu sich nehmen. In Ungarn lässt sich alles leichter regeln. Er kauft ein Haus, baut es für die Mutter gerecht um, besorgt Pflegekräfte, schafft sich ein Tonstudio, will dort künftig für Dokumentationen wie Tierfilme oder Drachenflieger mit der Slide-Gitarre Hintergrundmusik machen. Erst jetzt verraten Heinz und Christine schweren Herzens in Neuenbürg, dass sie nach Ungarn auswandern. Seit gut einem Jahr sind sie dort. Christine unterstützt ihn so weit sie kann. Aber ab und zu muss Heinz dennoch spielen, die „Psyche zu beruhigen“. Dann fährt er nach Franken.

Anfang August war er da, eine Woche später zum Geburtstag einer Freundin, wo er mehr als nur ein Ständchen spielte. Am Sonntag, 23. August trat er beim Marktplatzfest in Erlangen auf. Schließlich feierte auch er – sein 50-jähriges Rocker-Jubiläum nämlich.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: