Der Schlossherr empfängt Gäste im fast fertigen Schloss – und hat gute Nachrichten für die regionale Kulturszene


Der Innenhof von Schloss Neuenbürg ist inzwischen größenteils saniert. Deswegen und auch zur Feier des 850-jährigen Jubiläums der Schlossanlage luden Max Freiherr von Gagern und seine Familie Handwerker, Förderer und natürlich auch Neuenbürger zu einem kleinen Empfang im Schlosshof.

Eigentlich hätte die Renovierung des Schlosses bis zum Jubiläum abgeschlossen sein sollen, verriet der Hausherr gleich bei der Begrüßung der Gäste. Leider ziehe sich aber so ein Großprojekt – „ egal ob Berliner Flughafen, Haundorfer Löchla oder eben das Schloss Neuenbürg“. Geradezu ein „Verhau“ und dennoch romantisch sei der Schlosshof zuletzt gewesen, mit einem jahrhundertealten Weinstock, der am Hochschloss nach oben rankte. Den habe er im Mai 2014 persönlich entfernt und so symbolisch auch die Geschichte des Hofs heruntergezogen, bekannte Max von Gagern. Schnell wurde klar. Es geht ihm um eine behutsame Sanierung. Eine, die den Charakter der Anlage erhält und dennoch dem heutigen Wohnstandard nahe kommt. Der Innenhof präsentiert sich bereits wieder in der gelben Gestalt, wie er im frühen 18. Jahrhundert angelegt war. Nur an einer Stelle, neben dem Zugang zum Hochschloss, sind sogar noch in der Mauer uralte – unverputzte – Quader zu sehen, die die Zerstörung von 1449 brandgeschwärzt überstanden haben und jetzt nur weiß gekalkt sind.

Ursprünglich, so der Schlossherr, sollte nur der Süd-Flügel des Schlosses renoviert werden. Dort wollten er und Ehefrau Irina Freifrau von Gagern mit den drei Kindern künftig wohnen. Doch es kam anders als geplant. Man musste zunächst mit dem Dachstuhl beginnen, denn der Regen drang durch etliche Bereiche. Eine von ihm beim Empfang ausdrücklich gelobte Firma aus Flachslanden habe dann wie „ein Kieferorthopäde“, aber mit der Technik des Zimmermanns schadhafte Teilstücke herausgeschnitten und neu eingepasst, so dass der Dachstuhl nun die nächsten 150 Jahre halten werde. Eine Wärmedämmung war aufgrund der Kosten nicht möglich, wohl aber die der Geschossdecken. Bereits in den 1960er-Jahren hatte der Großvater – das Schloss ist seit 1872 in Besitz der Familie von Gagern – Teile des Dachs neu decken lassen. Diese Ziegel mussten jetzt ausgetauscht werden. Sie waren total zersetzt. Die bereits 200 Jahre alten Ziegel dagegen tun noch immer ihren Dienst. Die Bleiglasfenster zum Hof – aus dem 17. Jahrhundert und in der weiteren Region einmalig – sollten aus Gründen des Denkmalschutzes ebenfalls bleiben und haben dem Stil angepasste hölzerne Winterfenster vorgesetzt bekommen. Auch der kleine Glockenturm über dem Schlosstor ist saniert. Eine Spezialfirma mit Kenntnis wie Schiefer zu verarbeiten ist, hat ihm zu neuem Glanz verholfen, wozu auch die goldene Spitze beiträgt. Inzwischen sind auch die letzten elektrischen Leitungen auf den heutigen Stand gebracht. Dazu die Heizung, die mit Biomasse betrieben wird.

In einem so alten Schloss gibt es auch kuriose Funde. So im Dachboden, der damals erst nach drei Jahren Arbeit leer geräumt war. Viel „Schrott“ habe man dabei gefunden, berichtete der Freiherr. Aber auch ein riesiges Paket, transportiert im Jahr 1911 von der Königlich Bayerischen Eisenbahn von Fulda via Bad Kissingen bis nach Neustadt a. d. Aisch. Beim Auspacken kam als Überraschung ein Laufstall zum Vorschein, den später auch die drei Kinder der Schlossherren nutzen konnten.

Mit der Sanierung der Schlossfassade hatte man 2014 begonnen. Zunächst am nördlichen Teil. Doch bald blätterte die weiße Farbe. Die Arbeiten stoppten, Untersuchungen begannen. Noch ist die Ursache nicht geklärt. Die weitere Sanierung hakt – und bedeutet für das Wohnen eine Pause. Hat man doch mit viel Staub und Schmutz gelebt, obwohl, so anerkannte Max von Gagern, „die 40 bis 50 Arbeiter aus verschiedensten Gewerken mit Akribie und Rücksicht arbeiteten“. Dennoch durften die Kinder nur mit Schutzhelm den Innenhof passieren.

Die Verzögerung aber kostet. Das Gerüst steht ungenutzt. Zum Glück fließen Fördermittel. Vom bayerischen Kultusministerium, das aus einem Entschädigungsfonds Eigentümer unterstützt, die „eingeschränkt durch bauliche Umstände leben müssen“. Ludwig Spaenle, zuständiger Minister, war leider verhindert. Er wäre gern zum Empfang gekommen, hatte er doch erst durch die Einladung erfahren, dass sein Ministerium das Sanierungsprojekt seines ehemaligen Studienkollegen unterstützt hat. Auch das Landesamt für Denkmalpflege Bayern begleitet seit Jahren unter der Leitung von Thomas Wenderoth die Vorarbeiten und Voruntersuchungen, finanziell wie auch motivierend. Max von Gagern dankte zudem der Deutschen Stiftung Denkmalschutzs, die vertreten durch Gerd Sommer, großzügig und stets schnell förderte. Vom Landkreis kam ebenfalls ein Zuschuss, genauso von der Gemeinde Weisendorf. Die Dankesworte des Freiherrn an alle fielen entsprechend groß aus. Sein größter Dank aber ging an die Familie, besonders an seine Eltern. Vater Elger von Gagern hatte damals ohne jegliche Fremdmittel saniert. Und habe „die Früchte seines Berufslebens in dieses Haus gesteckt“. Mutter Sybille habe auf Knien und hochschwanger sogar Böden geschrubbt. Dieses Werk seiner Eltern wolle er nun fortsetzen.

Da sein Engagement heute aber auch mit öffentlichen Fördermitteln geschieht – was in anderen Bundesländern durchaus nicht selbstverständlich sei, wie von Gagern ausdrücklich betonte – wolle man nach der Fertigstellung des Ensembles den Schlosshof voraussichtlich im Jahr 2016 öffnen. Für gelegentliche Schloss-Serenaden oder andere kulturelle Veranstaltungen von regional und der Familie bekannten Vereinen und Gruppen.

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