Eine Ausstellung ist Rückblick auf die eigene künstlerische Entwicklung


Porträts über 15 Jahre: Sie sind von links oben nach rechts unten zeitlich angeordnet. In der oberen Reihe ein von Comics abgeleitetes Portrait, rechts das einer alten Dame. In der unteren Reihe sind zunehmend detailliertere Gesichtszüge erkennbar.

Porträts über 15 Jahre: Sie sind von links oben nach rechts unten zeitlich angeordnet. In der oberen Reihe ein von Comics abgeleitetes Portrait, rechts das einer alten Dame. In der unteren Reihe sind zunehmend detailliertere Gesichtszüge erkennbar.

Die eigene künstlerische Entwicklung ständig im Auge zu behalten ist eine Sache. Sie in einer Ausstellung zum Thema zu machen eine andere. Der Künstler Johannes Birzer hat genau dies in seiner eigenen Galerie getan. Und die Ausstellung „sprechen lernen“ betitelt. Zu sehen ist sie jeden Samstag zwischen 14:00 und 18:00 Uhr bis einschließlich 26.09.2015 in den Räumen der Galerie fuenFinga in Weisendorf, Hauptstraße 13.

Johannes Birzer ist noch immer am Lernen. Seit etwa 25 Jahren, so verrät er bei der Vernissage in seiner Galerie am Freitagabend, befände er sich in einem Sprachkurs in Sachen Kunst. Und fühle sich noch immer als Anfänger. Aber dennoch, so glaubt er, beherrsche er inzwischen einige elementare Redewendungen und die Grammatik. Natürlich versucht Johannes Birzer in seinem Sprachkurs nicht deutsch zu lernen oder finnisch, gar kishuali. Es geht ihm vielmehr darum, mit bildnerischen Mitteln etwas zu kommunizieren, was mit sprachlichen Mitteln nur schwer möglich ist.

Die Erinnerung daran, als der Künstler mit einer Frau auf einer Bank in der Sonne saß.

Die Erinnerung daran, als der Künstler mit einer Frau auf einer Bank in der Sonne saß.

Deshalb will er nun ein paar Lernschritte aus diesem Kurs, nämlich die aus den letzten 15 Jahren, in den nächsten zwei Monaten mit interessierten Besuchern teilen. In einer Ausstellung, die deutlich sichtbar macht, was für ihn Kunst bedeutet. Nämlich, den eigenen Stil, die eigene Sprache immer wieder zu verändern und neu zu suchen. Ohne dabei aber an Charakter und Wiedererkennbarkeit zu verlieren. Eine Kunst also, die permanent mit Lernen verquickt ist. Warum er sich das antut? Weil ihm das Lernen noch immer Spaß macht, bekennt er. Weil ihm viel daran liegt, sich exakt und vollständig auszudrücken. Und weil er dabei auch gern künstlerisch experimentiert und bekannte Drucktechniken wie Radierung, Linolschnitt und Aquatinta unüblich einsetzt. Was durchaus zu einer anderen Wirkung, neuen Eindrücken, zu einer besonderen Botschaft führen kann. Auf alle Fälle möchte er verstanden werden, besser noch einen Dialog mit dem Betrachter führen und – das Sprechen mit ihm über das Bild lernen.

Zwei Flaschen auf holprigem Untergrund. Die eine in einer Schräglage, die sie umfallen lassen müsste. So wird aus  Gleichgewicht Spannung.

Zwei Flaschen auf holprigem Untergrund. Die eine in einer Schräglage, die sie umfallen lassen müsste. So wird aus Gleichgewicht Spannung.

Mit drei thematischen Schwerpunkten hat sich Johannes Birzer über die Jahre beschäftigt, mit Porträts, der Landschaft, dem Abstraktem. Mit letzterem hatte er angefangen. Sein Stil war stark von Comics geleitet, das Motiv eher flächenhaft, reduziert gestaltet. Mit den Jahren kam die Änderung, Porträts zum Beispiel wurden zusehends realer. Die „Opfer“ sucht Johannes Birzer bevorzugt im Café, fertigt unbemerkt Schwarz-Weiß-Skizzen von der Dame gegenüber. Dann lässt er den Entwurf bewusst liegen. Erst ein, zwei Jahre später koloriert er. Kopiert dabei nicht, setzt vielmehr die Phantasie oder eine konkrete Erinnerung ein, erzeugt eine Spannung oder verwendet verbindende Elemente.

Das Besondere an diesem Sprachkurs? Außer dem Künstler gibt es keinen  weiteren aktiven Teilnehmer, auch keinen Kursleiter, dafür gibt es Zuschauer. Johannes Birzer lädt sie zu sich ein.

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