Teure Schlossparksanierung: Mehrheit im Gemeinderat verweigert Zustimmung wegen Kostenexplosion


Die Planungen für den Wasserbereich im neuen Schlossgarten.

Die Planungen für den Wasserbereich im neuen Schlossgarten.

Es war das erste Mal in dieser Legislaturperiode, dass die Räte derart kontrovers, teils sehr persönlich und dissonant diskutiert haben. Anlass war die Totalsanierung des Schlossparks. Dessen Bauentwurf sollte genehmigt und dann die Arbeiten ausgeschrieben werden. Doch die große Mehrheit schickte per Antrag das Thema mit 14:5 Stimmen in die August-Sitzung. Der Planer soll jetzt die Kosten reduzieren.

Das, was Dieter Blase vom Planungsbüro Topos team – es begleitet alle Sanierungsprojekte im Rahmen der staatlich geförderten Ortskernsanierung – in einer langen Präsentation vorgestellt hatte, gefiel offenbar allen Gemeinderäten. Was sie dennoch unterschied waren die Kosten, die seit Beginn der ersten Planungen permanent gestiegen sind. Die Grünen waren vom „ausgesprochen guten und gelungenen Konzept“ begeistert. Auch die beiden SPD-Räte schlossen sich dem Lob an. Ludwig Paulus wollte nur zusätzlich wissen, ob die Kommune die höheren Kosten stemmen könne. Laut Kämmerer Herbert Barth sind bereits in die Haushalte 2015 und 2016 größere Summen als Planzahlen eingestellt. Den anderen Fraktionen dagegen war die jetzt vorgestellte Sanierung zu teuer. Bis auf Jutta Kattner (Unabhängige Wähler Buch-Nankendorf), die ebenfalls gegen eine Vertagung stimmte.

Günther Vogel (BWG) hatte die kritische Diskussion zur Kostenentwicklung eröffnet als er die Mehrkosten für die Gemeinde hinterfragte. Sind die Leistungen des Bauhofs berücksichtigt, kann man Bepflanzungen wegnehmen? Schließlich seien die Sanierungskosten von zunächst etwa 400.000 Euro über 530.000 jetzt auf fast 650.000 Euro kalkuliert. Auch Andreas Süß (CSU) monierte die Kostensteigerung und machte Dieter Blase zudem den noch mehrmals gehörten Vorwurf, warum Topos team nicht schon in der letzten Aprilsitzung auf die Steigerung der Kosten hingewiesen und eine „grobe Neueinschätzung vorgenommen“ habe. Denn erst jetzt hatte Dieter Blase zugegeben, dass er die Kosten pro Quadratmeter zu gering kalkuliert habe, was sich bei insgesamt 3,5 Hektar zu sanierender Fläche nun entsprechend auswirke. In Kenntnis dessen, dass die Bürger bereits über die zwischenzeitlich angenommenen 530.000 Euro „entsetzt“ gewesen seien, kündigte Andreas Süß  an, die Zustimmung zu verweigern. „650.000 Euro sind nicht vertretbar“. Er fand die einhellige Unterstützung von Friedrich Mümmler (FWW).

So soll künftig der Spiel- und Sportbereich im Schlossgarten Weisendorf aussehen. (Pläne: Topos Team)

So soll künftig der Spiel- und Sportbereich im Schlossgarten Weisendorf aussehen. (Pläne: Topos Team)

Die Grünen befeuerten die Diskussion weiter. Christiane Kolbet: „Wir reden von Qualität, Sie da drüben von Cent“. Dagegen gab es Vorschläge zur Kostenreduzierung von Karoline Schmidt. Warum müssten Treppen am Eingang Erlanger Straße entfernt und daneben neu gebaut werden, warum der teuer renovierte Weg entlang des Langweihergrabens um drei Meter nach Norden verlegt werden – und damit auch die Beleuchtung? Walter Ferbar kritisierte zudem, dass der Seniorenbeirat nicht in die Planung einbezogen war. Hans Kreiner zog dann die Reißleine und stellte den von vielen begrüßten Antrag, den Beschluss zur Sanierung zu vertagen. Bis August solle der Planer einen neuen Vorschlag erarbeiten. Denn! Die CSU sei keineswegs gegen die Schlossparksanierung, wohl aber gegen „ins Uferlose laufende Kosten“. Was BWG und FWW mit unterstützten. Und Bürgermeister Heinrich Süß feststellten ließ, dass nach der Sanierung der Park nicht wieder zum Wald werden dürfe. Man also die Hälfte der Fläche als Wiesen und Aufenthaltszonen erhalten müsse, was kostenaufwändiger ist. Vorher schon hatte Dieter Blase darüber informiert, dass der Park nicht mehr als schutzwürdig gilt. Nur der Laubengang, Verlobungshain genannt, ist in Ansätzen erhalten. Insofern ist nicht mehr die Denkmalschutzbehörde zuständig, sondern das Forstamt. Allerdings gebe das für die Gestaltung auch neuen Spielraum, was mit dem Konzept des Erlebnisbereichs Wasser und des Spielbereichs für Kinder, Jugendliche wie Senioren gelungen ist. Auch bei der Bepflanzung der Wiesen- und Gehölzflächen, von denen etwa die Hälfte neu angelegt werden muss.

Die Finanzierung belastend kommt jedoch hinzu, dass die Regierung in Ansbach voraussichtlich die förderfähigen Kosten auf 80 Prozent der Gesamtkosten beschränkt. Obwohl der Fördersatz von 60 Prozent bleibt, wird der Zuschuss aufgrund der Reduzierung real bei etwa 50 Prozent liegen. Die Begründung aus Ansbach: Der Schlosspark liegt am Rand des Sanierungsgebiets und kommt als große Grünfläche nicht nur dem Sanierungsgebiet, sondern dem gesamten Ort zugute.

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