Ergriffenes Publikum in Herzogenaurach: Das „Große Abendlob“ berührte erneut


Das "Große Abendlob", komponiert von Gerald Fink, berührend gesungen vom für diese Aufführung

Das „Große Abendlob“, komponiert von Gerald Fink, berührend gesungen vom für diese Aufführung
zusammengestellten Projektchor mit 70 Sängern aus verschiedenen Chören.

Eine ganze Woche lang hatte die Evangelische Kirchengemeinde das 25-jährige Jubiläum des Martin-Luther-Hauses und das 5-jährige der Kirche mit vielfältigen Veranstaltungen gefeiert. Absolut krönender Abschluss war am Sonntagabend das „Große Abendlob“.

Komponiert ist es von Herzogenaurachs begnadetem Musiker Gerald Fink. Zur Einweihung des neuen Gotteshauses vor fünf Jahren hatte ihn die Evangelische Kirche mit einem Musikstück beauftragt. Der promovierte Musikwissenschaftler und jahrelange Kantor der Gemeinde schrieb daraufhin ein bewegendes Werk, das ganz von seiner Verbundenheit zur Kirche und Gemeinde geprägt ist: das einstündige „Große Abendlob“. Es folgt der Form der lutherischen Vesper mit Wortverkündung und Gesang.

Die zweite Aufführung am Sonntag geriet etwas länger. Diesmal hatte Fink das Abendlob bewusst als Gottesdienst angelegt: „Zum Abschluss der Festwoche als ein feierliches Wir.“ Und so war die Gemeinde nach Beginn und gegen Ende mit einem gemeinsamen Lied in der Vesper aktiv. Eröffnet hatte das Abendlob der oft achtstimmige Projektchor, gefolgt vom Gesang der Gemeinde. Jubilierend klang später der helle Sopran vom Frauenchor mit Psalm 98, getragen der Männerchor (Psalm 99). Gefolgt von der beeindruckenden Stimmgewalt und Präzision des gemischten Chors zu „Jauchzet dem Herrn“. Neu zwischen einer Lesung und der Predigt von Pfarrer Oliver Schürrle ist der „Traumchoral“ von Gerald Fink. Ein Dialog zwischen der einfühlsam begleitenden Orgel und dem traumhaft melodischen Englischen Horn von Roswitha Brügmann, einer der begehrtesten Oboe-Solistinnen der Region.

Passend zum Charakter des Werks, das laut Fink „sehr innerlich in die eigene Traum- und Glaubenswelt führt“, setzte sich die Predigt von Pfarrer Schürrle ebenfalls mit dem Traum auseinander (1. Mose 28). Mit der Himmelsleiter nämlich, die zu Gott hinauf und auch zurück führt. Wie der Traumchoral gehörten die folgenden drei Choralmeditationen für Oboe, Orgel und Glocken der alten Kirche, die nun in der neuen hängen, eigentlich nicht zum Abendlob, sind aber als musikalischer Klangkörper fest in die einmalige Fink‘ sche Komposition eingebunden. Ihnen folgte das klangvoll mächtige Magnificat als musikalischer Höhepunkt, dann inbrünstig gesungene Fürbitten, das Vater unser, zuletzt der Abendsegen.

Solistin Roswitha Brügmann (Englisch Horn und Oboe ) interpretierte einfühlsam mit Gerald Fink an der

Solistin Roswitha Brügmann (Englisch Horn und Oboe ) interpretierte einfühlsam mit Gerald Fink an der
Orgel den neu eingeführten „Traumchoral“ und die bereits bekannten „Drei Choralmeditationen“.

Beinahe hätte das konzentriert hörende Publikum der Aufführung gar nicht applaudieren können. Denn Pfarrer Schürrle eilte, offenbar im Gottesdienstmodus verharrend, nach einigen Dankesworten zur Tür, die Gemeinde dort zu verabschieden. Flugs festgehalten, zog er sich zum Chor zurück. Das Publikum konnte sich einem langen, prasselndem Applaus hingeben. Und durfte als Zugabe nochmals den Abendsegen genießen.

Auch Gerald Fink, vorab sehr aufgeregt, war nachher rundum erfüllt. Zum einen begeistert von der Leistung der 70 Sänger und Sängerinnen aus verschiedenen Chören, die schnell zu einer Einheit mit geschlossenem Klang gefunden hätten. Zum anderen von Solistin Brügmann, wie sie seine Ideen umgesetzt habe. Schließlich galt es, die Worte der Bibel in Musik zu übertragen. Und zufrieden war er, dass „wir für eineinhalb Stunden einen gemeinsamen Weg in die Tiefe gehen konnten“, auch dass das Publikum nach einer ganzen Festwoche noch so zahlreich gekommen sei, „sich auf seine Gedanken einzulassen“.

Und noch etwas freut ihn sehr. Der Münchner Verlag Strube hat „Das Abendlob“ in sein Verlagsangebot aufgenommen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: