„Marchared un Bobed ham uns an Korb gehm“: Premiere von „Trampel und Schnössl“ mit Vier-Gänge-Menü


Gerch (Elisabeth Orth) und Schorsch (Regina Baumgärtner) philosophieren nach getaner Arbeit über ihre Ehefrauen und männliche Probleme.

Gerch (Elisabeth Orth) und Schorsch (Regina Baumgärtner) philosophieren nach getaner Arbeit über ihre Ehefrauen und männliche Probleme.

Die Kultfiguren Trampel und Schnössl, neu unterstützt von Katharina (10), die ihr Debüt als Servierfräulein auf der Bühne  gab. Leider mit dem Rücken zum Publikum.

Die Kultfiguren Trampel und Schnössl, neu unterstützt von Katharina (10), die ihr Debüt als Servierfräulein auf der Bühne gab. Leider mit dem Rücken zum Publikum.

Zum 15. Mal standen die Kultfiguren „Trampel und Schnössl“ auf der Bühne, vor zehn Jahren kamen „Bobbed und Marchared“ hinzu, heuer eroberten ihre angetrauten Männer Schorsch und Gerch die Bühne. Was daran das Besondere ist? Die sechs oft schrägen Typen, egal ob Norddeutscher oder Franke, verkörpern zwei pfiffige Frauen – Elisabeth Ort und Regina Baumgärtner.

Um es vorweg zu nehmen. Die erwartungsfrohen Gäste kamen am traditionellen Aufführungsort Katholischer Pfarrsaal wie immer auf ihre Kosten, egal ob es die strapazierten Lachmuskeln betraf oder die üppige Vielfalt des Menüs, das beim Hauptgang allein mit vier Varianten lockte. Elisabeth Ort jedoch, Trampel, Bobbed und Gerch in Personalunion, erschreckte gleich zu Beginn die Gäste mit ihrer Ansage „Marchared un Bobbed ham uns an Korb gehm“. Das Publikum reagierte ungläubig, besonders als sie nachsetzte „Gell, wir mudn eich wos zu“. Kein Wort darüber, dass erneut eine Premiere bevorstand. Denn kurz danach erschien Gerch (Elisabeth Ort) auf der Bühne. Dazu Regina Baumgärtner, bisher bekannt als Schnössl und Marchared, jetzt als Schorsch. Zum besseren Verständnis für „Auswärtige“: Beide Vornamen sind eine fränkische Version des altbekannten Georg.

Schorsch und Gerch also stehen nach ihrem Tageswerk als müde Arbeiter auf der Straße. Und warten auf Abholung durch eine Ehefrau. Länger… Was eignet sich da nicht besser, derweil die restlichen Bierflaschen zu leeren, sich zwischendurch in den nahen Pflanztrog zu erleichtern und mit tiefsinnigen Überlegungen zur Ehe die Zeit zu überbrücken? Warum werde man auch im 34. Ehejahr noch gefragt, was man essen wolle? „Des muss die doch wissn.“ Gelächter im Saal, besonders von männlicher Seite. Warum ist das gemeinsame Kleidung kaufen mit Frauen so schwierig? Der zustimmende Schorsch, der eingangs sogar unfähig war, ein Handy zu bedienen, drückten offenbar auch besondere männliche Probleme, zudem ein geplanter Besuch beim Urologen. Und wie, fragte er, habe Gerch das Einkaufsproblem gelöst? Ganz einfach mit dem Zaubersatz „Moggela, fahr mich ham und kauf der dann wosd mogst.“ Sie tat es und als Folge habe er die schönste Nacht seit Jahren erlebt. Das überzeugte. Sogar zum Urologen wollte Schorsch jetzt gehen.

Diese neuen „Typen“ haben die Gäste sichtlich begeistert. Der Beifall, das Gelächter, der häufige Szenenapplaus waren der eindeutige Beweis. Vom Klassiker Trampel und Schnössl und seinem gewohnt urkomischen Disput zwischen Fränkin und dem penetrant hochdeutsch artikulierenden Fremden war das Publikum dann diesmal besonders hingerissen. Denn bei der irrwitzigen Unterhaltung im Eiscafé geriet Trampel kurzfristig „außer Kontrolle“. Beim Eis löffeln hatte sie die traditionell hübsch hässlich geblümte Schürze bekleckert und sich zum spontanen Kommentar hinreißen lassen „Wenn sich Herz und Magen laben, soll der Busen auch was haben“. Das Gelächter des Publikums explodierte geradezu. Schnössl rang um Fassung, Elisabeth Ort lachte Tränen. Für einige Minuten war zum Gaudium der Gäste die Plaudertasche tatsächlich sprachlos, was sehr selten passiert. Aber dann klärte sie den Zeitung lesenden Schnössl weiter wortreich zu Bräuchen in Franken auf. Über Bälle, wo man wie „der Lump am Stecken“ getanzt, „Drümmer Reisch“ gehabt habe, die „Tanzböden grammelt voll“ waren. Sie machte Schnössl klar, dass eine „Bixn“ hierzulande ein Gewehr, ein Mädchen oder eine Büchse sein könne. Und absolut komisch und für ihn verwirrend die Schilderung des Kerwasbrauchs, „wo der Meier raustanzt werd vom Burschen mit seim Madla un an Buschn“. Dass dies Schnössl als „Lackaff“ nicht verstand, war Trampel klar. Dass er aber unter Protest geht, lässt Trampel jammern „Alles geht kaputt. Ich geh ez nei in die Politik. Mal schaun, ob si wos ändert“.

Mit diesem Versprechen beendete auch Trampel den vergnügten Abend und mischte sich mit Schnössl unter die Gäste, wo man ausgiebig Lob zum gelungenen Abend einheimste. Am 1. August folgt ein weiterer Auftritt in der Kästler Theaterscheune.

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