Konzert in Evangelischer Kirche Herzogenaurach: „Wildes Holz“ liefert „astreine“ Vorstellung ab


Das Ensemble "Wildes Holz" beim Konzert in Herzogenaurach.

Das Ensemble „Wildes Holz“ beim Konzert in Herzogenaurach.

Drei virtuose Musiker an Echtholz- Instrumenten, grenzenlose Spielfreude gepaart mit grandioser Bühnenpräsenz, als Beigabe spontane Komik und intensive Publikumsnähe, zum Ende des Konzerts tobte in der Evangelischen Kirche Herzogenaurach grenzenlose Begeisterung. Auch zum überraschend breiten Repertoire von „Wildes Holz“.

Das so ganz andere, besondere Ensemble war von der Evangelischen Kirchengemeinde eingeladen, auf Wunsch der Flötengruppe zu deren 25. Geburtstag. Was sie und die vielen, erkennbar musikalischen Zuhörer von Jung bis Alt dann erlebten, war ein ganz besonderes Geschenk. Ein furioser Ohren- und auch Augenschmaus nämlich von einer Konzertgitarre, einem Kontrabass und einer „gemeinen“ Blockflöte. Eine „astreine“ Besetzung also für eine Rockband und damit titelgebend für das neue Programm, befand Wildes Holz“, das aus seinen Holzinstrumenten solch faszinierende und eindrucksvolle Klänge herausholte, wie man sie bisher nicht für möglich gehalten hätte. Noch dazu mit einem so breiten Spektrum an Genres wie Jazz, Folk, Pop, bekannten Radio-Hits, allesamt neu, verblüffend interpretiert und schillernd arrangiert. Eigene Kompositionen waren dabei. Auch klassische Musik, die im aktuellen Programm im Mittelpunkt steht, bei den drei Musikern aber wesentlich rockiger daherkam als man allgemein gewöhnt ist. So zu Beginn bei Beethovens Klaviersonate „Pathétique“, bei der das Publikum sichtlich begeistert war von den wunderbar getragenen, mal zarten, dann wieder lebhaft-flinken, kräftigen Klängen der kleinsten Flöte, der Sopranino und deren Begleitern. Die neckten die Flöte mit einem ausgiebigen klangvollen Pizzicato, zupften die Saiten und hinderten sie spitzbübisch, auch Grimassen schneidend am Weiterspiel, bevor man gemeinsam dann doch zu einem flotten gemeinsamen Ende kam. Bei der anschließenden „Madeira Salvaje“, einer lateinamerikanischen Komposition, setzte die tirilierende Flöte zwar ebenfalls Akzente, traf sich aber mit den weichen Klängen von Konzertgitarre und Kontrabass zum gemeinsamen rhythmischen Dialog. Belohnt mit prasselndem Applaus.

Der schlug schnell in stürmischen um, begleitet von ersten Bravo-Rufen und zustimmend gellenden Pfiffen. Was sicher auch an der Bühnenpräsenz der Musiker lag, die das Kirchenrund als große Bühne hatten. So zogen sie mal gemeinsam, mal getrennt durch die Kirche und rockten sie dabei. Oder sie amüsierten ihr Publikum aus Herzogenaurach und der weiteren Region mit Anekdoten zu ihren Erlebnissen bei Auftritten, die oft namengebend für die eigenen Kompositionen wurden. Die Vielfalt der Flöten, unter ihnen der eckige und seltene Baetzold-Kontrabass, die eingesetzte Technik wie die Loop-Station – sie ermöglichte dem Flötisten nacheinander verschiedene Stimmen aufzuspielen – bis dann seine Kollegen wieder mit einsetzten, dies zusammen mit dem komödiantischen Flair der Band, dies alles ließ das Konzert zu einem einzigartigen Erlebnis werden.

Sicher auch, weil sich alle Drei seit dem Musikstudium in Essen an der Folkwang Universität kennen und seit 18 Jahren in der jetzigen Formation unterwegs sind. Tobias Reisige (Blockflöte) studierte klassische Blockflöte und ist zudem einziger Diplom-Jazz-Blockflötist Deutschlands. Gitarrist Anto Karaula ist seit dem sechsten Lebensjahr mit der Gitarre in Kontakt und sucht seitdem nach den maximalen Ausdrucksmöglichkeiten einer Konzertgitarre, soll sie rockig klingen. Und Markus Conrads, zunächst Diplominformatiker, hat sich dann doch für das Kontrabass-Studium entschieden. Dass sich die Drei verstehen, sich mögen, dass absolute Harmonie ihr Spiel bestimmt, haben die Zuhörer schnell an ihrer Mimik erkannt. Sie würden nicht nur mit-, sondern auch füreinander spielen, war in der Pause und nach dem Konzert zu hören. Deshalb müsse man sie nicht nur hören, sondern sie auch erleben.

Das „Wilde Holz“. Auch wenn sie oft das letzte aus ihren Instrumenten holten, sich zuweilen als wilde Gesellen gaben, zur Verstärkung auch mal einen Luftsprung machten, sie zauberten stets ein Lächeln in die Gesichter ihrer Zuhörer. Und der Wunsch nach mehr, also auch der nach Zugaben. Drei wurden es schließlich. Bei „Highway to Hell“ tobte das Publikum, beim verrrockten „Pippi Langstrumpf“-Lied kam bei manchem wieder die Kindheit hoch.

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