Bezaubernde „BlechMafia Nürnberg“: Münchauracher Klosterfrühling mit Uraufführung


Die BlechMafia aus Nürnberg.

Die BlechMafia aus Nürnberg.

Bereits im siebten Jahr lud heuer die Evangelische Kirchengemeinde Aurachtal im Rahmen der Konzertreihe „Klosterfrühling“ in die alte Klosterkirche mit ihrer so wunderbaren Akustik. Höhepunkt des Konzerts war die Uraufführung des Opus 191 „Wojna i pokój“, zu Deutsch „Krieg und Frieden“, für Bläserquintett, komponiert vom Nürnberger Heinrich Hartl.

Bei der Begrüßung der Gäste in der vollbesetzten Münchauracher Klosterkirche galt der Dank des Hausherrn Pfarrer Peter Söder neben Sponsoren und den ehrenamtlichen Unterstützern ganz besonders Gerald Fink, von Beginn an Organisator und künstlerischer Leiter der Konzertreihe. Mit „BlechMafia“, den am Sonntagnachmittag aufgetretenen Blechbläsern, war ein Ensemble engagiert, das sich selbst in seinem Genre als Nürnberger Besonderheit einstuft. Denn die sechs Mitglieder der „BlechMafia“ sind junge Profimusiker, die – aus allen Ecken Deutschlands und der Welt stammend – inzwischen im Raum Nürnberg musikalisch verwurzelt und in der dortigen Musikszene auch pädagogisch aktiv sind. Mit Trompeten, Posaune, Horn, Tuba und Schlagwerk beherrschen sie elegante Kammermusik genauso wie symphonische Klänge und tragen sie hinaus in die weite Welt bis nach Australien. Eine Uraufführung wie Heinrich Hartls „Wojna i pokój“ aber – den Auftrag zur Komposition für den Klosterfrühling gab die Evangelische Kirchengemeinde – sei auch für das Ensemble „BlechMafia“ ein Novum und eine besondere Ehre, bekannte Michael Kraus (Trompete), der amüsant und informativ durch das Konzert begleitete.

Den am Sonntag anwesenden Komponisten hatten mehrmals Konzertreisen hauptsächlich nach Osteuropa geführt. Dies mag ihn zur beim Klosterfrühling erstmals erklingenden Komposition animiert haben. Denn sie ist einer polnischen Krankenschwester gewidmet, die seine demenzkranke Mutter aufopfernd gepflegt hatte. „Krieg und Frieden“, dieser Titel stünde für „ein Nachdenken über das Miteinander zweier Völker“, schreibt Heinrich Hartl zu seiner Komposition. Ein Nachdenken auch über das Zusammenleben zweier Menschen aus unterschiedlichen Lebensphasen, die über kurze Zeit durch besondere Umstände miteinander verbunden waren. Folglich war der erste der drei Sätze seiner Komposition ein stark rhythmisch geprägter Dialog, in dem sich die musikalischen Stimmen voneinander beflügeln, inspirieren ließen, aber auch konträr klangen. Den zweiten Satz beherrschte die Suche des Menschen nach spiritueller Erfahrung, auch tiefer Frömmigkeit. Die Bläser intonierten ergreifend. Während im dritten Satz der spirituellen Suche scharfe, harte Töne, einer Gewehrsalve gleich folgten, teils von ruhigen Passagen unterbrochen. Das Publikum hielt den Atem an, dann brandete der Beifall.

Dieser letzte Satz des Opus ist, gemäß der Erläuterungen des Komponisten, Sinnbild für das deutsch-polnische Verhältnis. Für das große Leid, aber auch die Hoffnung auf ein künftiges freundliches Miteinander, das „die Schatten der Vergangenheit hinter sich lässt“. Das Leid aber, seine Schatten bildhaft gesehen hat Heinrich Hartl nicht. Er ist von Geburt an blind.

Umrahmt hatte dieses ergreifende Opus alte wie neue Musik. Mit der vierteiligen alten Suite von John Downland, zeitgenössisch arrangiert von C. Lindberg (geb. 1958), entführte die BlechMafia mit pointierten, auch harten Tönen in die oft schmerzliche Zeit um 1600. Erzählte einfühlsam mit „Fancies, Toyes and Dreames“ von Giles Farnaby (1562-1640) und bearbeitet von E. Howarth (geb. 1935) die Geschichte einer alten Spanierin, die mit einem fröhlichen Springtanz endete. Drei Spirituals von Enrique Crespo (geb. 1941) standen ebenfalls auf dem Programm, unüblicherweise vom wunderbaren Klang der Tuba geführt. Heftig, vielfältig, pointiert erklang die „Dance Suite“, von Leonhard Bernstein (1918 -1990) zum 50-jährigen Bestehen der New Yorker Metropolitan Opera komponiert. Wie spielerisch die Grenzen der alten und neuen oder U- und E-Musik zerfließen, zeigte die BlechMafia recht schelmisch mit Luther Hendersons (19191 – 2003) „The Saints‘ Halleluja“, einer verblüffenden und rhythmischen Kombination aus „When the Saints go Marching In“ und dem Refrain aus Händels „Hallelujah“. Grandioser Applaus brandete, gemischt mit Bravo-Rufen. Die Nürnberger BlechMafia hatte ihr Publikum trotz manch ernster, bedrückender Inhalte mit ihren Interpretationen, ihrer Klangkunst fasziniert, hingerissen. Eine passende Zugabe gab es noch. Heinrich Hartls „Der Frieden liegt in den Höhen“.

Gefördert hat das heftig beklatschte Konzert der Verein „Kultur Erlangen-Höchstadt und der Rotary Club Herzogenaurach, deren jeweilige Repräsentanten, Landrat Alexander Tritthart und Präsident Ralf Nadler, ein Grußwort sprachen.

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