Blüte und Verfall des Schlossparks – vom hochherrschaftlichen Park zur vielfältigen Nutzung


Der Schlosspark, dessen Reste heute Schlossgarten genannt werden, blickt auf eine lange Vergangenheit zurück, wie ein Urkataster aus dem Jahr 1822 belegt. Allerdings blieb seine damalige Schönheit nur der jeweiligen Herrschaft im Schloss vorbehalten zu sehen und zu nutzen. Erst 1957 wurde der Park der Bevölkerung zugänglich.

Der Park war nach der zeitgenössischen Mode in einzelne Bereiche gegliedert. Der Barockgarten grenzte im Westen an die Höchstadter, nördlich an die Erlanger Straße und im Osten an die Nord-Süd ziehende Buchen-Allee, die noch in verwilderten Resten zu erkennen ist. Im Süden war der heute verrohrte Obere Sauerheimer Graben die Grenze. Nach Versailler Vorbild waren Wege und Buschreihen gerade angelegt und schufen jeweils Quadrate. An den Wegkreuzungen entstanden so Rondelle, deren Mitte stets barocke Steinskulpturen zierten. Zum Stil des Barock gehörte auch ein Kavaliershaus. Es entstand bereits 1720 an der Höchstadter Straße. Dort fanden Angestellte des Schlosses, Kuriere oder Gäste ihren Platz. Heute firmiert das  denkmalgeschützte Gebäude unter dem Namen „Gärtnerhaus“. Von der damals eng gepflanzten Buchen-Allee, die über Jahrhunderte kunstvoll zu einem Laubengang geschnitten war, ist seit Jahrzehnten nichts mehr zu sehen. Auch die angelegten Ausbuchtungen verwilderten, die dort stehenden steinernen Bänke verfielen ebenso wie die drei Meter hohe barocke Skulptur, deren Reste Ende der 1970er-Jahre abtransportiert worden sein sollen.

Beim östlich angelegten Englischen Garten südlich der Erlanger Straße – gleichfalls einen Hektar groß – ist das Wegenetz nicht mehr zu erkennen. Dies hatte schon der versierte, leider bereits verstorbene Heimatforscher Walter Siegismund festgestellt. Seine akribischen Nachforschungen liegen einem Teil dieses Textes zugrunde. Besonders erwähnt hat er beim Englischen Garten die wunderschönen, über 200 Jahre alten Eichen und Buchen. Auch Zeitzeugen schwärmten jüngst wiederholt von einer prachtvollen riesigen Rotbuche, früher direkt neben dem Schloss. Von den einst bis zum 15. Jahrhundert existierenden und später wohl zugeschütteten Weihern war zu Barockzeiten nichts mehr zu sehen. Selbst der kleine Teich, zu erkennen auf der Katasterkarte, ist verschwunden. Was blieb waren die Schlosswiesen und der Parksaum, der zum einen dicht am Schloss angelegt war und zum anderen fast das gesamte Schlossareal einsäumte – vom Standort der heutigen Raiffeisenbank angefangen über Kriegerdenkmal, Schulgebäude bis hin zur Straße Am Windflügel.

Ein erster großer Eingriff in den Park und das Erscheinungsbild des hochherrschaftlichen Ensembles war im 19. Jahrhundert der Fachwerkbau der hufeisenförmigen Schloss-Ökonomie. Die landwirtschaftliche Nutzung sollte intensiviert werden. Die Schlosswiesen wurden sogar bis ins beginnende 20. Jahrhundert zur Gänse- und Ziegenzucht genutzt. Im und nach dem 2. Weltkrieg wurde das Schloss zu seinem Schaden fremd genutzt. Erst als 1957 Baron von und zu Guttenberg dem Säkularinstitut „Notre Dame de Vie“ das marode Schloss schenkte, wurde dessen Verfall gestoppt.

Im Park aber schritt er fort. Denn der Guttenberg’sche Verwalter wollte das gesamte Areal als Baugelände veräußern. Dazu sollte das tiefer liegende Gelände, besonders an der Erlanger Straße, aufgeschüttet werden. Und so wurden dort bald Erdaushub und Bauschutt – gegen Gebühr – abgelagert. Zum Schaden der Bäume natürlich, die aufgrund der Aufschüttung abstarben. Dem wollte die Gemeinde auf Dauer nicht zusehen. Und so bemühte sie sich ab 1978 darum, einen Teil des Parks zu erwerben. Auch der Orden hatte mit den Jahren Flächen des Parks vom Baron gekauft, war aktuell zu erfahren. Und so einigten sich 1980 Guttenberg’sche Verwaltung, Säkularinstitut und Gemeinde vor dem Landgericht Ansbach in einem Vergleich. Die Gemeinde kaufte Barock- und Englischen Garten und Teile der Schlosswiesen, insgesamt 1,5 Hektar Park. Gekostet hat das die Gemeinde damals 188.688 DM. Die Regierung von Mittelfranken schoss 75.476 DM aus dem „Programm Freizeit und Erholung“ zu. Was die Gemeinde daraus machte, das beschreibt die dritte Folge zum Schlossgarten.

Lesen im ersten Teil unserer dreiteiligen Schlossgarten-Serie, wie sich Weisendorfer an ihre Kindheit und Jugend im Schlossgarten erinnern.

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2 Kommentare

  1. […] wie sich Weisendorfer an ihre Kindheit und Jugend im Schlossgarten erinnern. Im zweiten Teil erinnern wir an die Zeit des Verfalls des Schlossgartens bis zur Öffnung des Geländes für die […]

  2. […] Über Blüte und Verfall des Schlossparks – vom hochherrschaftlichen Park zur vielfältigen Nutzu…. […]

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