IHK-Veranstaltung zu Nahverkehrssystem: „An der StUB führt kein Weg vorbei!“


Gunnar Heipp ist bei der Münchner Verkehrsgesellschaft verantwortlicher Projektleiter für U-Bahn, Bus, Straßenbahn und Mobilitätsmanagement.

Gunnar Heipp ist bei der Münchner Verkehrsgesellschaft verantwortlicher Projektleiter für U-Bahn, Bus, Straßenbahn und Mobilitätsmanagement.

Was verbindet heute die Metropolregion um Nürnberg, fragte Dirk von Vopelius, Präsident der IHK Nürnberg für Mittelfranken. Seine Antwort: der öffentliche Nahverkehr. Zu dieser Thematik hatte Gastgeber Oliver Brehm, Vorsitzender des IHK-Gremiums Herzogenaurach, mit Gunnar Heipp einen internationalen Experten in Weisendorfs Ortsteil geladen. Vor dem anstehenden Bürgerbegehren zur StUB berichtete er aus seinem reichen Erfahrungsschatz.

Zunächst hatte Ulrich Schaller, Referent für Verkehr bei der IHK Nürnberg, den Beschluss der IHK-Vollversammlung zur StUB vom Mai 2014 skizziert. Der hatte vermerkt, dass ein attraktives Nahverkehrssystem die Kommunen zwar Geld koste und später dann zu unterhalten sei, es aber auch enorme Vorteile brächte. Denn der öffentliche Nahverkehr würde Nürnbergs Norden, Erlangen und Herzogenaurach effizient vernetzen. Dies sei ein harter Standortfaktor, der Zuzug schaffen und Fachkräfte binden würde. Zudem könnte die StUB dazu beitragen, Wohn– und Arbeitsorte sowie Angebote zu Freizeit und Kultur der drei Räume miteinander zu verknüpfen. Auch eine nachhaltige Verdichtung von Siedlungs- und Gewerbeflächen wäre die Folge, dazu langfristige Perspektiven für neue Siedlungsachsen. Zudem würde ein attraktives Nahverkehrsmittel Umwelt und Verkehr entlasten. Und so war die IHK zum Schluss gekommen, dass nach Abwägung des Für und Wider „an der schienengebundenen Verbindung zwischen Nürnberg Nord, Erlangen und Herzogenaurach kein Weg vorbeiführt“. Als einzuhaltende Prämissen sollten unter anderem die zugesagte Förderung rechtssicher bestätigt und der Öffentliche Nahverkehr bis zur Inbetriebnahme der StUB mit temporären Lösungen optimiert werden.

Die Höhe der zugesagten Fördermittel haben Bund und das Land Bayern aktuell bestätigt. Die Forderung, den bisherigen Nahverkehr kurzfristig zu optimieren und später dann in Einklang mit der StUB zu bringen, griff Gunnar Heipp auf. Seit 1996 zuständig für die Verkehrsbetriebe Karlsruhe und ab 2002 die strategische Planung leitend für U-Bahn, Bus und Straßenbahn bei der Münchner Verkehrsgesellschaft, sollte er „den Blick über den Tellerrand auf erfolgreiche Schienen-Nahverkehrs-Systeme“ lenken. Europaweit hatte der Referent beobachtet, dass die Entwicklung und Akzeptanz der Bevölkerung Jahre brauche. Als Beispiel nannte er Zürich mit Umgebung, das er mit der StUB-Region verglich. Zehn Jahre habe die Grundsatzdebatte mit Bevölkerung und Politik gedauert, zehn Jahre dann auch die Umsetzung. Mit gleichzeitiger Chance, die Umgebung weiter zu entwickeln, über Infrastruktur-Projekte „Identität“ zu finden und so auch Gemeinden einzubeziehen, die bisher nichts miteinander zu tun hatten. Solche neue Attraktivität des Nahverkehrs, seine Erreichbarkeit, auch die Optik der Haltestellen bringe einen deutlichen Anstieg der Fahrgastzahlen.

 

Heipp plädierte generell für eine ganzheitliche Bewertung. Nicht nur des Projekts und seiner Kostenwegen, sondern auch der Wirkung auf Privathaushalte und Unternehmen. Der Ansatz „Wer profitiert in der Gesamt-Metropolregion von der Nürnberger U-Bahn“ wäre falsch. Denn anderes Verkehrsverhalten und die Wirtschaftlichkeit seien ebenso von Bedeutung. Manche Wirkung werde  erst Jahre später bemerkbar. Selbst für diejenigen, die dann nicht mehr im Stau stünden. Im französischen Lyon sei die Straßenbahn gar zum „Motor der Stadtentwicklung“ geworden. Vorher gab es dort ein Bussystem mit viel individuellem Autoverkehr, wenig Fußgängern und Radfahrern.

Wichtig für den Erfolg der StUB in der Region, so Gastgeber Oliver Brehm, sei die spätere Verknüpfung der unterschiedlichen Verkehrsmittel, ihr zeitlich aufeinander abgestimmter Fahrplan. Zunächst aber solle das vorhandene Bussystem optimiert, die Taktung verkürzt werden. Und später dann auch mit kleineren Bussen jedes Ziel im ferneren Umland bedient werden. So die Erwartung der IHK, die mit der Info-Veranstaltung versucht hatte, zum Thema StUB Brücken über vorhandene Gräben zu bauen.

Zum Ende schloss sich eine kurze Fragerunde an, bei der Gunnar Heippe, von Vertretern der VAG und VGN Nürnberg zu regionalen Fragen unterstützt wurde.

Weitere Informationen zum Bürgerentscheid finden Sie im Internet. Die Gegner informieren hier, die Befürworter hier.

 

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ein Kommentar

  1. Die IHK bewertet. Ein staatliches Zwangssystem ist es ja gewohnt, sinnfrei Geld zum Fenster herauszuschleudern.
    Welchen Vorteil soll diese Straßenbahn für Herzogenaurach bringen? Adidas hat ein riesiges Parkhaus gebaut. Puma ebenfalls. Schaeffler hat auch Parkflächen ohne Ende geschaffen. Glaubt wirklich irgend Jemand, die Dienstwagennutzer kommen dann mit der Straßenbahn?
    500 Mio. verbrannte Steuergelder. Von wegen “Zuschuss“ oder “Förderung“. Das sind 100 % Steuergelder.
    Was haben die anderen 75% des Landkreises davon? Ok, die immensen Kosten. Das können wir ja dann bei der Schülerbeförderung einsparen. Die können ja dann ganz zu Fuß gehen. Immer noch sicherer als die vom Landratsamt gestellten und total überfüllten Rostlauben.
    Das Erlanger Verkehrschaos ändert sich sicher nicht mit einer Straßenbahn. Es wird eher schlimmer.

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