Alltägliches kann auch Kunst sein – Ungewöhnliche Ausstellung zu gewöhnlichen Gegenständen und Situationen des Alltags


Der Alltag. Meist akzeptiert man ihn als selbstverständlich, nimmt die Vielzahl an gewohnten Dingen und bekannten Situationen nicht mehr bewusst wahr. Der Weisendorfer Künstler Manfred Dick-Kreuzer hat ihnen fotographisch nachgespürt. Zu sehen sind seine Bilder noch bis 20. Juni immer samstags von 14 – 18 Uhr in der galerie fuenFinga, Hauptstraße 13.

Es sind meist die uns selbstverständlichen „gemeinen“ Gegenstände und Gegebenheiten, derer wir erst dann bewusst werden, wenn wir sie vermissen. Plötzlich geraten sie in den Fokus unserer Aufmerksamkeit. Manfred Dick-Kreuzer, gelernter Designer und seit 30 Jahren Fotograph aus Leidenschaft, hat mit großer Intensität und Geduld diesen Alltag mit der Kamera nachgezeichnet. So sind stille, in sich gekehrte Bilder entstanden, mit großer Ausdruckskraft, häufig in schwarz-weiß und zuweilen mit hintergründigem Humor.

Mit der ersten Serie „Tafelbilder“ bezieht sich der Künstler auf die früheren Bilder, als man auf flachem, festem Material wie Holz, Ton, Metall, Elfenbein gemalt hat. Sein heutiges Material ist der Tisch in der fränkischen Gastronomie, mal mit nackter Holzplatte und Bierkrug, Glas, Geschirr, im Wirtshaus, Biergarten, in der alten Bauernwirtschaft mit heute kaum mehr bekannter Resopal-Platte, beim Italiener oder Griechen, in der Edelgastronomie mit weißem Tuch, extravagant eingedeckt und dekoriert. 99 kleine Bilder nebeneinander aufgehängt hat er so geschaffen, die der Besucher im Ausstellungsraum ablaufen kann. Ganz ungewöhnlich ist die Perspektive, aus der Manfred Dick-Kreuzer fotographiert. Aus der Zwergen-Perspektive nämlich, inspiriert von Jonathan Swifts klassischem Kinderbuch „Gullivers Reisen“ in das Land Lilliput. Nicht jeder kam, so war zu erfahren, mit der ungewohnten Perspektive zurecht, war befremdet. Warum? Weil die Proportionen nicht stimmten oder weil manches Glas von der Tischkante aus fotographiert dann abgeschnitten war.

Die zweite Serie nahm auf eine „Zimmerreise“ mit, durch das eigene Haus und den Garten des Künstlers. Diesmal waren die 49 kleinen Bilder in einer raumgreifenden Collage angeordnet. Und ebenfalls auf besondere Weise fotographiert; mit der „camera obscura“ unserer Vorfahren. Als lichtdichten Kasten muss man sich dies vorstellen, wo durch ein kleines Loch das Licht einer beleuchteten Szene auf die gegenüberliegende Rückwand mit lichtempfindlicher Platte trifft, das Bild dann auf dem Kopf stehend und seitenverkehrt. Über eine Stunde dauerte die Belichtungszeit, was zu – auch gewollter – Unschärfe der allesamt schwarz-weißen Bilder führen konnte. So bei der Wäsche, die im Wind flatterte oder der Hauskatze. All die Gegenstände des Alltags, das Klavier, das Bücherregal, der beladene Geschirrspüler, der Garten, Küchengeräte, sogar die Badewanne und Toilettenbürste, sie dokumentierten das, was wir nutzen, ohne es zu „sehen“. Sicher nicht nur aus künstlerischem Effekt hat Manfred Dick-Kreuzer deshalb einen Teil der schwarz-weißen Fotos am Computer in tiefem Blau, kräftigem Rot, zartem Grün, Rosa, Gelb eingefärbt.

Jetzt zeigte sich die perfekte Form der Espressomaschine, die Schönheit des Klaviers oder die ungeordneten Schuhe auf der Treppe. Die sonst nicht wahr genommenen Dinge des Alltags eben.

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ein Kommentar

  1. Einfach toll geschrieben …

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