Hausaufgabenbetreuung auf der Kippe?


Anfangs gab es im Haus des Evangelischen Gemeindevereins am Sauerheimer Weg den WeiSenTreff, 2008 kam das MehrGenerationenHaus hinzu. Dessen Leiterin Doris Tietjen hatte vielfältige Aufgaben. Als ihr ganz eigenes „Kind“ rief sie die bald beliebte Hausaufgabenbetreuung ins Leben. Jetzt wankt deren Kontinuität. Warum?

Zum Jahresende 2014 wechselte die Trägerschaft des MGH vom Gemeindeverein zur Kommune. Bürgermeister Heinrich Süß hatte schon im Sommer wegen der notwendigen Räumung des bisherigen Standorts – eine zusätzlich benötigte Kinderkrippe sollte dort einziehen -, die kommunalen Bürgerstuben als neues Domizil für WeiSenTreff und MGH angeboten. Die Hausaufgabenbetreuung startete dort im September mit einem fast ausschließlich ehrenamtlichen Team. Sowohl Pfarrer Wilfried Lechner-Schmidt vertraute dem verantwortungsvollen Handeln der erfahrenen Senioren wie auch Heinrich Süß, als 2014/15 das Team für drei Monate wie selbstverständlich die Betreuung weiterführte. Denn Dezember war Doris Tietjen schon ausgeschieden. Die Sozialpädagoginnen im 2015 neu gegründeten Amt für Freizeit und Kultur (FuK) sollten sich erst einarbeiten, bevor sie mit den Ehrenamtlichen kooperieren – Gudrun Reiß war zurück aus dem Mutterschaftsurlaub. Für Miriam Flock, erst als Vertretung eingestellt, wurde zusätzlich eine Stelle mit ebenfalls 30 Wochenstunden geschaffen. Nach Miriam Flocks Aussage in der letzten Seniorenbeiratssitzung, zu der sie eingeladen war, haben aber die beiden Fachkräfte keine Ambitionen, sich in die HA-Betreuung einzubringen. Und da sie beide freitags schon im Wochenende sind, haben sie als ersten Schritt die HA-Betreuung auf Mittwoch- und Donnerstagnachmittag reduziert. Denn nur, wenn sie im Rathaus säßen, könnten sie ihrer Aufsichtspflicht genügen. Dass die Bürgerstuben doch etwas entfernt liegen, war nicht von Interesse. Kein Vertrauen zur bisher gezeigten Leistung plus Verantwortung des Teams, das nicht allein die Kinder betreuen könne? Ein Grund für Gerhard Hornschuh und Paul Katona, sofort ihr Ehrenamt aufzukündigen. Nur Norbert Fischer, stets nur mittwochs mit dabei, will weitermachen. Zudem hatte vorher schon gekränkt, dass das FuK über das Amtsblatt eine „pädagogische Fachkraft für die HA-Betreuung und Leitung eines Teams von Ehrenamtlichen“ gesucht hatte. Wohl gemerkt, ohne die Betroffenen zu informieren, die seit über sieben Jahren unentgeltlich und offenbar erfolgreich Kindern zunächst von Asylbewerbern und inzwischen von oft fremdsprachigen Eltern, meist bei den Global Playern beschäftigt, helfen, schulische Probleme – auch solche des auffälligen Verhaltens – in den Griff zu bekommen. Der Freitag, so unisono das bisherige Team, war der effizienteste Nachmittag der HA-Betreuung, weil man Ruhe hatte, die Schulwoche aufzuarbeiten. Und dazu Jugendliche, oft Gymnasiasten, präsent waren, die ein Freiwilliges Soziales Jahr leisten oder zehn Sozialstunden, auch jene, die sich seit Jahren aus Freude engagieren. Die Kinder würden geradezu auf sie warten, mit ihnen neben dem Lernen auch den Bewegungs- und Spieldrang unter Aufsicht austoben zu können.

Paul Katona hat abgeschlossen und sich bereits eine neue Aufgabe gesucht. Gerhard Hornschuh, schon von einem Kindergarten erwartet, fühlt sich seiner Motivation beraubt und käme nur zurück, sollte man seine Motivation wiederherstellen. Ihn also nicht gängeln. Ziel sei vor allem, für die Kinder eine Lösung zu finden. Seine Kritik an den Damen: „Beide haben nie zugeguckt, was wir machen. Meinen aber, dass die Herren es falsch machen“. Einig ist er sich mit Doris Tietjen, dass alles, was über die Jahre aufgebaut wurde – das Vertrauen der Kinder zur Bezugsperson, ihre Zuneigung, die Kontinuität – bewusst kaputt gemacht werde.

Denn die beiden Fachkräfte wollten lediglich koordinieren, planen, suchten deshalb vorher keinen Kontakt mit dem Team. „Wir sehen das eben anders“, meinte Miriam Flock letzten Donnerstag, als Doris Tietjen kritisierte, dass der Freitag gestrichen werde. Und Gerhard Hornschuh ist überzeugt, dass „die beiden zusammen nur halb so viel Erfahrung haben wie wir Alten“. Am Montag, so Bürgermeister Süß, wolle er mit den beiden reden. Auch darüber, dass ein pensionierter Lehrer gefunden sei. Am Freitag waren beide ja nicht für ein Gespräch erreichbar.

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