Bebauungsplan für Nankendorf: Wie viel Gewerbegebiet verträgt ein Dorf?


Der neue Bebauungsplan für Nankendorf. Rot gekennzeichnet sind das künftige Wohngebiet (W) und grau die Gewerbeflächen (GE) für die Betriebe Bucher und Gumbrecht.

Der neue Bebauungsplan für Nankendorf. Rot gekennzeichnet sind das künftige Wohngebiet (W) und grau die Gewerbeflächen (GE) für die Betriebe Bucher und Gumbrecht.

Einen Monat lang lag der Vorentwurf der Bauleitplanung im Rathaus öffentlich aus. Auch die Behörden und Träger öffentlicher Belange waren zeitgleich am Verfahren beteiligt. Jetzt kämpften sich die Gemeinderäte durch 35 Seiten, auf denen die Verwaltung Zustimmung, Kritik und Änderungsvorschläge erfasst hatte. Wenn die daraus resultierenden Beschlussergebnisse in den Entwurf des Bebauungsplans mit integriertem Grünordnungsplan eingearbeitet sind, steht die einmonatige Auslegung nochmals an.

Von Beginn an war man sich in der Ratssitzung einig. Die Grünen-Fraktion und Friedrich Mümmler (FFW) stimmten konsequent gegen alle Beschlussvorlagen, nur beim Beschluss zur erneuten öffentlichen Auslegung stimmte Mümmler mit der Mehrheit. Die war durchgängig bereit, den Gumbrecht’schen Erweiterungsplänen den Weg zu ebnen. Schließlich wolle man die Firma vor Ort halten und müsse zur Expansion die Gewerbefläche genehmigen. Denn sonst würden mit der dann sicheren Abwanderung des Mittelständlers Arbeitsplätze verloren gehen, die Steuereinnahmen erheblich sinken, die vorhandene Infrastruktur gering ausgelastet seien. Dazu, dass neben dem westlich geplanten auch ein zweites, kleineres Gewerbegebiet im Süden jenseits der Weiherkette in der 8. Änderung des Flächennutzungsplans dargestellt ist, darüber, so erster Bürgermeister Heinrich Süß, werde es demnächst ein Fachgespräch im Landratsamt geben. Ein Bauantrag läge schon länger vor, die Aufstellung eines Bebauungsplans würde erwogen.

Drei ortsansässige Familien hatten zum Bebauungsplan Nankendorf-West schriftliche Beschwerde eingelegt, teils sogar mit anwaltlicher Unterstützung. Generell sind sie der Meinung, dass zwei Gewerbegebiete für einen Ort mit nur 78 Einwohnern unverträglich seien. Zu bedenken gaben sie auch, dass 12260 Quadratmeter Gewerbefläche ausgewiesen sind, die Firma Gumbrecht aber nur 6669 Quadratmeter benötige. Was passiert mit der Restfläche, fragten sie. „Für sich als Reservefläche vorhalten“, beruhigte Heinrich Süß, „und in ferner Zukunft in Anspruch nehmen“. Auch um störenden Schichtbetrieb und Gewerbelärm kreisten die Sorgen der Anwohner. In einem eingeschränkten Gewerbegebiet ist ein nicht wesentlich störender Gewerbebetrieb, auch Schichtbetrieb erlaubt, sagt dazu der Immissionsschutz, während das vorliegende Schallschutzgutachten nächtlichen Lieferverkehr untersagt. Die Kosten zum Ausbau der bestehenden Ortsstraße Brunnleite für Lkw-Verkehr und eines Gehwegs wollen die Anwohner keinesfalls tragen. Dazu werde der Abschluss eines städtebaulichen Vertrags angestrebt, versicherte der Bürgermeister. Er solle die Einzelheiten der Kostenübernahme durch den Verursacher regeln.

Auch die Angst vor Verschmutzung der anschließenden Fischweiher konnte Süß beruhigen. Im Gewerbegebiet-West ist ein Trennsystem vorgesehen. Schmutzwässer leitet man in den öffentlichen Kanal, Regenwasser wird auf dem Gewerbegrundstück gereinigt und dann in einen Weiher abgeleitet. Und zum Vorwurf, dass das Vorhaben das Orts- und Landschaftsbild erheblich negativ beeinflusst, meinte der Bürgermeister, dass der 70 Meter lange Baukörper gegliedert werde, zudem im Norden und an den Seiten von einem Gehölzgürtel eingegrünt sei, zehn Meter breit. Die Erschließungsstraße soll mit schmalkronigen Bäumen bepflanzt werden. Damit entstehe ein grün gestalteter, sich in den landwirtschaftlich geprägten Raum einfügender Ortsrand. Und dann machte er noch darauf aufmerksam, dass die Gesamtfläche von Nankendorf derzeit 4,8 Hektar bebaute Fläche umfasst, die geplante Erweiterung der Bauflächen durch das Gewerbegebiet-West nur 1,4 Hektar.

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ein Kommentar

  1. Dann sind sie also hier auch schon wieder dagegen. War ja abzusehen. Hat sich unsere Grüne-Antifraktion eigentlich auch schon Gedanken gemacht, was für die Fa. Gumbrecht die Alternative wäre? Soll die Fa. Gumbrecht lieber dem Landratsamt nach Erlangen folgen? Wozu brauchen wir Arbeitsplätze in der Gemeinde? Es würde völlig ausreichen, wenn die Gewerbetreibenden ihre Steuern zahlen und ihre Gewerbe an anderen Orten ausführen.
    Die Steuern müssten für grüne Fantasien allerdings schon vorhanden sein. Die Fa. Bucher ist ja offensichtlich auch ein Dorn im Auge der Gesellschaft. Außer man hat „was zu baggern“. Dann ist es schon recht, wenn die Fa. Bucher kommt und den Dreck auch noch wegfährt. Aber danach kann sich die Fa. Bucher ja wieder in Luft auflösen.
    Wen würde die Gewerbeausübung auf der südlichen Fläche stören?
    Im Gegensatz zu völlig überdimensionierten und von Grünen Fantasten favorisierten Windrädern kann ich in Nankendorf sicher keine Überdimensionierung feststellen.
    Wenn für grüne Windkraftfantasien ein halber Wald entsorgt wird, dann soll man nach deren seltsamen Vorstellungen noch applaudieren.

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