Die Guttempler bieten jetzt zwei Gesprächsabende – Selbsthilfegruppe spricht Alkoholabhängige, „Trockene“ und Angehörige gleichermaßen an


Weihnachtsmärkte gehören traditionell zur Adventszeit, genauso Punsch und Glühwein. Stattliche 600 Liter hat man allein an einer von etlichen Buden auf dem Weihnachtsmarkt zum zweiten Advent ausgeschenkt. Die Guttempler sehen dies mit gemischten Gefühlen. Grundsätzlich sind sie jedoch nicht gegen Alkohol, wohl aber gegen den Alkoholmissbrauch.

Punsch oder Glühwein?

Punsch oder Glühwein?

Auch der Kinderpunsch findet so nicht ihre Zustimmung. Die Bezeichnung „Punsch“ stört. Wieso deklariert man ein nicht alkoholisches Getränk als ein alkoholisches, fragt man in der Runde, die jeden Dienstagabend offen für alle ist. Wo soll der Jugendliche dann später klare Grenzen erkennen, was er konsumieren darf/sollte und was nicht? Schon im Vorabgespräch mit den Gruppenmoderatoren Hartmut Krause und seit einiger Zeit Roland Haag mit einer zweiten, zusätzlichen Gruppe, war als ein Ziel definiert worden, die Jugend verstärkt anzusprechen. Denn das Einstiegsalter von Mädchen wie Jungen läge bei Alkohol und Drogen inzwischen bei 13 Jahren. Besonders wichtig sei auch, junge Frauen darüber aufzuklären, dass es gerade die ersten drei Monate der Schwangerschaft seien, in denen Alkohol und Drogen den Fötus besonders schädigen würden. Alkohol- und Medikamentensucht, sie nahmen und nehmen weiterhin großen Raum ein. Jede zweite Flasche Alkohol werde von Alkoholabhängigen gekauft, dazu würden neben jedem Abhängigen drei bis vier Bezugspersonen still darunter leiden.

15 bis 20 Teilnehmer zählt die bisherige erste Gruppe von Hartmut Krause, die sich immer am Dienstagabend für eine Stunde trifft. Abhängige und inzwischen „Trockene“ sitzen dann zusammen, tauschen ihre Erfahrungen aus, berichten über ihren Weg in die Alkoholabhängigkeit oder von bisher vergeblichen Versuchen, ohne „Stoff“ auszukommen. Wichtig ist, dass sie bei den Guttemplern auf Menschen, auf Gleichgesinnte treffen, denen sie vertrauen können. Von denen sie wissen, dass nichts von den Gesprächen nach draußen dringt. Nichts von ihren Sorgen, ihrer Angst, ihrer Wut – und nichts von ihren Erfolgen. An solchen Gesprächen teilnehmen oder schon vorab mit der Herzogenauracher Selbsthilfegruppe in Kontakt treten, das sollten auch betroffene Angehörige oder enge Kontaktpersonen, definiert Erich Weber, erster Vorsitzender, ein weiteres Ziel der Selbsthilfegruppe. Und zweiter Vorsitzender Max Schreiner ergänzt, man wolle sich um die mitbetroffenen Angehörigen als „Co-Abhängige“ ebenfalls kümmern.

In der neu eingeführten zweiten Gruppe von Roland Haag will man sich am Donnerstagabend der „Mehrfachabhängigkeit“ widmen. Jenen, die wenn sie nicht an Drogen kommen, auf Tabletten ausweichen, der Spielsucht erliegen. Am schlimmsten dran seien aber jene, die die Modedroge „Crystal Meth“ oder auch „Speed“ genannt, konsumieren. Sie macht sofort abhängig, kann schwere Psychosen auslösen, führt zu irreparablen Hirnschäden und macht nicht nur geistig, sondern auch körperlich kaputt, entstellt den Süchtigen. Und das in der unglaublich kurzen Zeit von nur einigen Monaten. Problematisch sei dazu, dass Crystal im Vergleich zu anderen Drogen viel billiger sei, inzwischen nicht nur von dem Hauptquellland Tschechien importiert, sondern auch in Deutschland hergestellt werde. Und – das synthetische Gift, das durchaus unterschiedliche und nicht kalkulierbare Bestandteile enthalte, erreiche alle Altersgruppen. International kämpft man gegen all die Suchtprobleme. Auch in der Region wollen die Guttempler das Ihre dazu beitragen. dass Suchende bei ihnen jederzeit Verständnis, Hilfe, Wertschätzung und Sicherheit finden. Mit der daraus erwachsenden Chance, ihrem Leben eine neue Perspektive zu geben. Als Zeichen ihres Engagements ruft die Selbsthilfegruppe auf, beim jeweils am 25. Tag eines Monats international ausgerufenen „Orange Day“ mitzumachen.

Am Dienstag waren zufällig nur „trockene“ Teilnehmer anzutreffen – manche seit fünf, andere seit 20 Jahren. Themen zum Alkohol kamen an diesem Abend nicht zur Sprache. Warum nicht? Man schätze einfach die regelmäßige Geselligkeit, den gegenseitigen Meinungsaustausch, egal ob mit Alkoholabhängigen oder mit Trockenen. Diesmal standen eher Allerweltsprobleme an, zu denen der Leitspruch von Erich Weber lautet „Es gibt keine kleinen Probleme“, sei es gesundheitlicher, psychischer oder sozialer Art. Und so diskutierten die Anwesenden über die Sinnhaftigkeit, die traditionellen und bekannten Begriffe Weihnachts- und Christkindlesmarkt tatsächlich neudeutsch in „Wintermarkt“ umbenennen zu wollen – genauso engagiert wie sie es zur Patientenverfügung getan haben.

Die Guttempler laden zur zwanglosen einstündigen Gesprächsrunde dienstags und donnerstags jeweils 19.30 Uhr im Freizeitheim Herzogenaurach, Erlanger Straße 16 und sind auch telefonisch zu erreichen unter 09132 40722 und 0162 5685603 oder per mail an roland.haag@guttempler-bayern.de. Informationen gibt es auch unter http://www.guttempler-bayern-thueringen.de.

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