„My Way“ – Frank Sinatra ging den für ihn einzigen Weg


Fränkisches Theatersommer gastierte mit furiosem Musiktheater bei den Herzogenauracher Kulturtagen

Er liebte sie abgöttisch und konnte ihr dennoch nicht treu sein. Nach wenigen wilden, exzessiven Ehejahren trennten sie sich wieder, Frank Sinatra und Ava Gardner, damals als Skandalpaar stets willkommene Beute der Presse. Am Samstagabend wurde in der Aula des Gymnasiums die Geschichte zweier einzigartiger Künstler wieder lebendig, die mit ihrer Musik und ihren Filmen ab den 50er-Jahren Marksteine gesetzt haben.

Es war eine außergewöhnliche musikalische Reise zweier großartiger Stars und ihrer Evergreens, auf die Karin Schubert und Alex Teubner von der Landesbühne Oberfranken ihr Publikum überzeugend und mitreißend mitnahmen. Dabei beschränkten sie sich nicht nur auf die kleine, mit wenigen Requisiten ausgestattete Bühne, auch im Publikum waren sie präsent. Bezogen es mit ein – bei Klagen oder Hasstiraden oder beim amüsant flirtenden Song-Spaziergang durch die Reihen. Dabei gab Sänger und Schauspieler Alex Teubner ganz charakteristisch Sinatra mit elegantem Smoking und Hut, ein Whisky-Glas in der rechten Hand und das Mikrofon in der linken. Und einer verblüffenden Ähnlichkeit zum Original, was Stimme und Charme-Offensiven betraf, kleine Tanzeinlagen inbegriffen. Sie, Schauspielerin Karin Schubert als Ava, stand ihm in Alkoholkonsum, überzeugender Spielfreude und Stimme keineswegs nach. Übertraf ihn jedoch mit großer, exklusiver Garderobe und grenzenloser Eifersucht, obwohl auch sie ihn betrog. Wie ambivalent ihre – oft demonstrierte – leidenschaftliche Beziehung mit starken Gefühlen war, offenbart sich am Ende ihres gemeinsamen Wegs, als sie ihn bewusst zutiefst verletzt. Sie habe abgetrieben, weil sie keinesfalls von ihm ein Kind wollte. Er geht, erschüttert. Und dann erzählt sie dem Publikum, dass sie abgetrieben habe, weil sie ihre Karriere gefährdet sah.

Die Liebesgeschichte der berühmten Stars verlief also keineswegs geradlinig, war geprägt von Höhen und Tiefen, ausgelöst durch Alkohol und Exzesse, Eifersucht und absoluter, triebhafter Hingabe. Aber auch belastet von großer Empfindlichkeit, verborgen hinter einer kühlen und extrovertierten Fassade. Dies wird schon zu Beginn deutlich, als die Presse die Affäre mit Ava Gardner aufdeckt. Er, Sinatra, verheiratet und Vater dreier Kinder, ist entlarvt. „Shit, es ist aus Franky boy“. Er wütet gegen die Presse. Später, bei der ersten Ehekrise wird Sinatra seiner zweiten Frau Ava die Lebensphilosophie seiner schillernden Persönlichkeit klar machen. Zwei Kategorien von Frauen gäbe es für ihn: Nancy und die anderen. Seine Familie sei ihm heilig. „Dich liebe ich. Wenn Du das nicht akzeptierst, werden wir uns trennen“. Zum selten geradlinigen Weg der Beiden gehörten aber auch unvorstellbarer Ruhm und genauso das Versagen. So, als er zeitweise seine Stimme verliert und sie ihm rät „Melde dich bei den anderen Freunden“. Eine Anspielung auf Sinatras Beziehungen zum organisierten Verbrechen. Der Tipp war richtig, ihm gelang das Comeback über eine Filmnebenrolle – für die es einen Oskar gab. Ein Jahr nach ihrer Offenbarung der Abtreibung kommt Sinatra zurück. Und singt über die Liebe seines Lebens den Song „ I did it my way“. Nachdenklich, melancholisch quält er sich. „Sie war einfach Klasse“.

Nach sechs Ehejahren wurden sie geschieden. Frank Sinatra heiratete noch zweimal. Ein Bild von Ava soll aber stets in seinem Schlafzimmer gehangen haben, erzählten zum Ende Frank und Avas Darsteller, die Beide in ihren Rollen beeindruckend, überzeugend und einfühlsam agierten. Das Publikum dankte dies mit prasselndem Applaus.

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