VDSL 50 für Weisendorf und alle Ortsteile


Es sind Steuergelder, die künftig die Marktgemeinde für die flächendeckende Versorgung mit VDSL 50 ausgeben muss. Darin waren sich alle einig. Dennoch favorisierte die Mehrheit die teuerste Lösung, die momentane Ungleichbehandlung zwischen Stadt und Land zu beseitigen – verursacht vom Wirtschaftlichkeitsdenken der Betreiber von Telekommunikation.

Etwa 1,5 Millionen Euro kostet die Versorgung des Marktorts und aller Ortsteile. 500.000 Euro übernimmt davon die Förderung nach der Breitbandrichtlinie. Was bleibt, ist knapp eine Million Euro für die Gemeinde, die „Wirtschaftlichkeitslücke“ der Telekom für Investitionen in die Breitbandinfrastruktur zu decken. Die zweite Variante, die die beauftragte Firma Corwese erarbeitet hat, lediglich Buch, Kairlindach, Reuth und Rezelsdorf mit anzuschließen, hätte 595.500 Euro gekostet. Und nur 391.500 Euro hätte der Gemeindeanteil nach Anrechnung der Maximalförderung von 500.000 Euro betragen, wären bei Variante 3 nur Reuth und Rezelsdorf mit aufgenommen worden.

Fein heraus ist übrigens Schmiedelberg, wo die Telekom vor Jahren bereits einen DSLAM zur Breitbandversorgung aufgestellt hat, von dem auch Boxbrunn profitiert. Warum die Telekom diese kostenlose Aktion gestartet hatte, weiß keiner. Jetzt lässt sie sich jeden der geplanten DSLMs mit 30.000 Euro/Stück bezahlen. Dazu kommen noch die verbindenden Glasfaserkabel und die Kupferkabel zu den Hausanschlüssen.

Am Montag haben die Räte nun den ersten Schritt von 19 Förderschritten gemacht und sich für VDSL 50 für den Gesamtort entschieden. Das für die Förderung wichtige Kumulationsgebiet, in dem mindestens fünf Unternehmen einen Bedarf von 50 Mbit/s anmelden müssen, umschließt deshalb die gesamte Marktgemeinde. Zur weiteren Breitbandberatung zum Bruttopreis von 4998 Euro beauftragten die Räte die Firma Corwese, 82229 Seefeld.

Lothar Ort (CSU) und Klaus Albrecht (SPD) standen nicht hinter dem Grundsatzbeschluss. Ort verwies darauf, dass genaue Kosten nicht bekannt seien, sich dazu in den nächsten Jahren die Technik verändere, von Kabel wohl auf Funk. Bürgermeister Alexander Tritthart beschwichtigte „Wir können jederzeit aussteigen, wenn die Kosten durch die Decke gehen“. Auch Hans Kreiner (CSU) ärgerte sich, „mit Steuergeldern die Wirtschaftlichkeitslücke der Telekom decken zu müssen“ und dann kein Geld für Pflichtaufgaben zu haben.

Einzig Karoline Schmidt (BWG) hatte zunächst für die kostengünstigere Alternative 2 plädiert. Sie, deren Fraktion den Antrag zum Breitbandausbau gestellt hatte, wollte eine „vernünftige Lösung“. Und VDSL 50 in Sauerheim sei eben unvernünftig. Aber um ihr Anliegen weiter zu verfolgen, stimmte sie dann doch mit der Mehrheit, von der etliche dabei „Bauchschmerzen“ hatten.

Eingeladen zur Sitzung war auch die Energieagentur Nordbayern, die die kommunalen Gebäude seit Jahren betreut. Diesmal ging es um die Vorstellung eines Energienutzungsplans für die Marktgemeinde. Am Beispiel der Stadt Rehau erläuterte Wolfgang Böhm die einzelnen Schritte von der Bestandsaufnahme zur Potentialanalyse, dann Konzeptentwicklung bis zum Maßnahmenkatalog. In Weisendorf gäbe es mit Fotovoltaik, Fernwärme, Biogas eine gute Basis, eine Energiewende vor Ort einzuleiten, so sein Fazit. Ziel sei die später autarke Versorgung mit Wärme und Strom. Während Norbert Maier (Grüne) diese Schritte gleich mit der Energieagentur gehen wollte, sprachen sich seine Kollegen für eine zwar zeitnahe, aber dennoch spätere Entscheidung aus. Man wollte die Entwicklung zur Gründung einer „Weisendorfer Energie GmbH“ abwarten. Zur deren Gründung hatte Bürgermeister Tritthart das Landratsamt um eine Stellungnahme gebeten. „Rechtlich“ sei sie möglich, „im Ergebnis“ raten die Experten aber davon ab. Viele Fragen seien noch offen.

Vielleicht, so ergab die Diskussion, könne man Energieagentur und Weisendorfer Energie GmbH zusammenschließen. Die eine als Planer, die andere als Ausführende.
Zum Thema Städtebauförderung stimmte der Rat der Bedarfsmitteilung zur Förderung 2014 zu. Das Rathaus hat dafür den eigenen Teil des Schlossparks zur Sanierung im Auge, Karoline Schmidt wünschte sich die Umgestaltung des Badweihers und Umgebung, um dort die Sanierung zum Ende zu bringen, Norbert Maier forderte gleiches für den Marktplatz. Bürgermeister Tritthart will zunächst die Anlieger der bisherigen Baustellen schonen. Zunächst ging es ihm nur um die Reservierung der Finanzmittel, eine Umschichtung in ein anderes Projekt sei jederzeit möglich.

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ein Kommentar

  1. …und was ist bis jetzt in Bezug auf VDSL bzw. dem Breitbandausbau passiert? Wenig bis nichts! Die Planung und Umsetzung mit Corwese läuft extrem schleppend, um nicht zu sagen, sind zum Stillstand gekommen. Scheinbar hoffen die Beteiligten auf ein Wunder, um nicht selbst aktiv werden zu müssen. Das Land stellt mittlerweile sehr viel Geld zur Verfügung, aber der Markt und ihre Planer kommen einfach nicht in die Gänge. Wenn nicht jetzt, wann dann?

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